GHADIER -E- CHUM

GHADIER -E- CHUMD

er hl. Prophet in seinem letzten Lebens LebensjahrIm Jahre 633 n. Chr. ( 10 J. n. H.) war der hl Prophet (s.a.s.) 63 Jahre alt und am Höhepunkt seiner Macht. Ihm war es gelungen, die untereinander zerstrittenen und miteinander Krieg führenden Stämme der arabischen Halbinsel zu befrieden und unter der Fahne des Islam zu vereinigen. Hz. Muhammad (s.a.s.) war ihr Oberhaupt und Führer. Er selbst hatte sich jedoch nicht verändert. Nach wie vor war er bescheiden , gütig und stetes liebevoll zu seinen Mitmenschen. Er bewohnte keinen großen Palast und hatte keine Soldaten zu seinem Schutz. Sein Haus unterschied sich nicht von den Häusern anderer. Seine Kleidung war schlicht und er besaß nicht viel Geld. Keine Arbeit war ihm zu schade oder zu schwer. Ist es da verwunderlich, daß er bei seinem Volk sehr beliebt war und es sich keinen anderen Führer als ihn wünschte?Die Karavane des Gesandten GottesAls die Zeit der Pilgerfahrt näher kam, kündigte der Prophet (s.a.s.) die Wallfahrt nach Mekka an. Es sollte die erste vollständige Pilgerfahrt werden und es wurde auch die letzte Pilgerreise des Propheten. Die Muslime wollten die Gelegenheit nicht verpassen, mit dem Propheten zusammen die Hadsch zu vollziehen, und so strömten sie aus allen Teilen Arabiensnach Medina, ca. 90000 an der Zahl. 10 Tage brauchte der riesige Zug, um Mekka zu erreichen. Unterwegs besuchte der Prophet noch das Grab seiner geliebten Mutter in Abwa und betete dort. In Mekka stieg die Zahl der Gläubigen auf ca. 140000. In ihrem weißen Pilgergewand sahen alle gleich aus, Reiche und Arme, Führer und Arbeiter, Alte und Junge, Männer und Frauen. Der Prophet lehrte die Muslime die Hadschrituale, betete und verließ wieder den geweihten Ort.Der Ort Ghadiere ChumAuf der Rückreise von Mekka nach Medina kam die riesige Karavane (sie bestand aus mehr als 100000 Muslimen) nach Johva, einem Ort 20 km von Mekka entfernt. Dort verzweigten sich die Wege nach Medina, Ägypten, Syrien und Irak. An der Grenze dieses Ortes lag ein Teich (Teich heißt auf Arabisch Ghadier). Und die Stelle, an der der Teich gelegn war, hieß Chum. Deshalb wird dieser Platz Ghadier-e-Chum genannt.Das ersehnte ZielEs war am 18. Des Monats Zilhadsch, 10 n. H., als die Karavane den Platz Ghadier-e-Chum erreichte. Plötzlich ließ der Prophet (s.a.s.) die Pilgerschar anhalten. Der Engel Gabriel war ihm erschienen und überbrachte ihm folgende Botschaft von Allah:„Oh Apostel! Übermittle, was die von deinem Herrn geoffenbart worden ist. Wenn du es nicht tust, dann hast du seine Botschaft nicht weitergegeben. Und Allah wird die vor den Menschen schützen.“ (S. 5/ 68).Es war schrecklich heiß. Der Prophet gab Anweisungen, einen Versammlungsplatz vorzubereiten. In der Nöhe von 5 Gummi-Akazien ließ er eine hohe Kanzel errichten aus mehreren Kamelsätteln. Dann verrichtete er das Mittagsgebet. Danach bestieg er die Kanzel und hielt folgende Ansprache.Die Worte des Propheten„Alles Lob gebührt Gott, Seine Hilfe allein suchen wir. Wir glauben an ihn. Wir verlassen uns nur auf ihn. Auch suchen wir bei ihm Schutz vor Fehlern unseres Charakters und teuflischen Begierden. Es gibt keine Führung für einen, der in die Irre geht, und einen, den Gott führt, kann nichts vom richtigen Weg abbringen. Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt, der der Anbetung würdig ist, außer Allah, und Mohammad ist sein Diener und Gesandter.Gott, der Kenner des Verborgenen und der Wissende hat mir mitgeteilt, daß ich sehr bald dem Tod ins Auge Tod ins Auge sehen werde. Nun! Was geschieht mit der Botschaft Gottes? Seht her, in dieser Hinsicht werde nicht allein ich verantwortlich gemacht, sondern auch ihr alle werdet gefragt werden! Laßt mich nun wissen, was eure Antwort ist!“Die Historiker berichten, daß die wogende Menge mit einer Stimme rief: „Oh Gott, wir bezeugen, daß du die verantwortungsvollen Aufgaben des Prophetentums in der richtigen Weis erfüllt, uns beraten und dich ständig um unsere Führung bemüht hast.“ Und der Gesandte fuhrfort: „Ihr anerkennt doch, daß kein Gott außer Allah der Anbetung würdig ist und daß Muhammad sein Diener und Apostel ist. Ihr glaubt doch, daß sein Paradies, seine Hölle, sein Gesetz des Todes, der zu erwartende Tag des Jüngsten Gerichtes (ohne jeden Zweifel oder Hintergedanken) und die Erneuerung des Lebens am Tag der Auferstehung völlig sicher sind?“Die versammelte Menge antwortete im Chor: „Ohne den leisesten Zweifel bestätigen wir unzweideutig all diese ewigen Wahrheiten“.Dann vergewisserte sich der Prophet ob ihn alle hören konnten, und die Menge bejahte dies, mit den Worten: „Ja mein Herr, Jedes deiner Worte dringt in unser Herz!“ Dann sprach der Gesandte: „Ich erreiche die Quelle von Kauthar vor euch, und ihr alle werdet mir folgen. Nun wird man sehen, wie sehr ihr nach mir die zwei kostbarsten Erbschaften, die ich euch hinterlassen werde, hochachtet. Eines ist das Buch Gottes, der heilige Koran. Das eine Ende davon ist in der Hand Gottes, des Glorreichen und Erhabenen, das andere Ende ist in Eurer Hand. Haltet es fest, damit ihr nicht vom rechten Weg abweicht. Und das zweite wertvolle Ding ist meine Nachkommenschaft. Gott, der Kenner des Verborgenen und der Wissende, hat mir mitgeteilt, daß sich diese beiden Dinge nie voneinander trennen werden, bis sie mich an der Quelle von Kauthar erreichen (ihre Einheit ist ewig). Ihr solltet niemals wagen, hinter ihnen zu bleiben oder sie zu übergehen. Wenn ihr euch anmaßt, das zu tun, werdet ihr verdammt und ruiniert!“Während der Gesandte des Islams dies sagte, nahm er die Hand Alis und hob sie, soweit er konnte , in die Höhe. Und er fuhr in seiner Rede fort:„Gott ist mein Herr. Ich bin der Herr der Gläubigen und ich habe mehr Rechte über sie als sie selbst besitzen. Deshalb gilt, wessen Herr ich bin, dessen Herr ist auch Ali!“ Diesen Satz wiederholte er dreimal!(Das Wort Herr wurde im Arabischen mit „Maula“ bezeichnet, was in der Bedeutung von Herr, Führer, Oberhaupt oder Vorgesetzter zu verstehen ist, nicht aber von Freund oder Cousin)! Danach sagte der Gesandte:„Oh mein Gott, sei ein Freund dessen, der ein Freund Alis ist, und behandle jenen wie einen Feind, der sich Ali widersetzt. Hilf denen, die Ali helfen, und wende dich von jenen ab, die gegen Ali auftreten. Oh mein Herr! Welchen Weg immer Ali einschlägt, das Recht liegt in der gleichen Richtung. Seht her! Es ist bindend für alle, die hier sind, daß sie diese Botschaft jenen überbringen, die nicht anwesend sind.“Zum Schluß sagte der Prophet: „Leute, wiederholt was ich gesagt habe, und grüßtAli zu seiner Ernennung zum Führer der Gläubigen!“Am Ende der Ansprache ließ der Prophet die Leute zur Kanzel gruppenweise emporsteigen, und inmitten des Tumultes von Grüßen und Gratulationen begannen sie Imam Ali (a.s.) die Gefolgstreue zu schwören.In der Zwischenzeit stieg der Engel Gabriel mit den folgenden Worten Gottes herab:Heute habe ich euch eure Religion vervollständigt, meine Gnade an euch vollendet und den Islam für euch als Religion bestimmt!“ (Sure 5/3)KrönungsfeierlichkeitenNormalerweise werden Könige mit einer Krone, die besonders schön und wertvoll ausgestaltet und verziert ist, gekrönt. Als der heilige Prophet jedoch den „Führer der Gläubigen“ Imam Ali (a.s.) zu seinem Nachfolger und Führer der Gläubigen ernannte, wand er seinen speziellen Turban um dessen Kopf und sagte: “ Ali, die Turbane sind die Kronen und Tiaren der Araber.“ Und.“ Die Kronen, die von den Engeln getragen werden, sind von der gleichen Art.“Dieser Turban, den der heilige Prophet um Alis Kopf gewickelt hat, wurde `Sahab` oder Wolke genannt. Nach der Zeremonie in Ghadier-e-Chum sagte der Prophet zu Imam Ali: „Mein geliebter Ali! Die Engel, durch die uns Gott der Allmächtige in der Schlacht bei Badr und Hunain half, trugen alle Turbane. Der Turban ist jenes (Unterscheidungs) merkmal, das zwischen Heidentum und Glauben an Gott, sein Wort und seine Gesandten unterscheidet.“ Der Prophet erinnerte immer wieder an diesen Turban der Auszeichnung und Überlegenheit. Diese Erinnerung war ihm sehr teuer.Die Feierlichkeiten von Ghadier-e-Chum dauerten 3 Tage. Imam Dschafar Sadegh (a.s.) sagte, daß dieser Tag neben den Festen von Idul Fitr und Idul Adha und den Festtagen des Freitags der höchstgeachtete Tag der Muslime ist und zu den großen Freudentagen der islamischen Welt gehört. 

Auseinandersetzungen mit den Götzendienern

Eine der ersten Aktivitäten des heiligen Propheten in Medina war die ‘Organisierung der islamischen Gemeinschaft’. Zum einen lernten die Muslime diszipliniert zu leben, zum anderen hielten sie sich in ständiger Alarmbereitschaft gegen immer wiederkehrende Angriffe der Götzendiener. Der Islam und die islamische Gesellschaft nahmen einen raschen Aufschwung, was die mekkanischen Götzenanbeter sehr beunruhigte und mit größter Sorge erfüllte. Sie suchten nach Gelegenheiten, um die islamische Gemeinde auseinanderzubringen, und schikanierten jene Muslime, die noch in Mekka geblieben waren und dort gewaltsam festgehalten wurde. Die Häuser der Auswanderer wurden geplündert und zerstört. Die Muslime in Medina, vor allem die Auswanderer aus Mekka, sorgten sich sehr um ihre zurückgebliebenen Angehörigen in Mekka. Sie warteten auf eine himmlische Weisung, die ihnen erlaubte, der Unterdrückung durch die Götzendiener ein Ende zu bereiten.Die Schlacht von BadrIm Jahr 2 n. H., am Freitag den 17. Ramadan, fand die erste kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Muslimen und den mekkanischen Götzendienern statt. Da die meisten Muslime all ihr Hab und Gut hatten zurücklassen müssen, fürchteten nun die Mekkaner, die Muslime könnten ihre Handelskarawanen nach Syrien, die nahe an Medina vorbei mußten, überfallen. So beschlossen die Mekkaner, die Muslime anzugreifen und Medina zu erobern. Bei Badr ( d. h. Brunnen) stießen ca. eintausend gut ausgerüstete mekkanische Krieger auf nur dreihundert mäßig bewaffnete muslimische Kämpfer. Die Lage schien aussichtslos.Währenddessen eröffnete Allah (t.a.) dem Propheten, daß jeder Kämpfer, der für die Sache Allahs kämpft und dabei getötet wird, Eingang ins Paradies finden werde. In der Sure Al Anfal/ Verse 66 und 67 heißt es:‘O Prophet, feuere die Gläubigen zum Kampf an. Sind auch nur 20 Standhafte unter euch, sie sollen 200 überwinden; und sind 100 unter euch, sie sollen 1000 überwinden von denen, die ungläubig sind, weil das ein Volk ist, das nicht versteht. Jetzt aber hat Allah euch eure Bürde erleichtert, denn Er weiß, dass in euch Schwachheit ist. Wenn also unter euch 100 Standhafte sind, so sollen sie 200 überwinden; und wenn unter euch 1000 sind, so sollen sie 2000 überwinden nach Allahs Gebot. Und Allah ist mit den Standhaften.’Die Muslime kämpften furchtlos und mit beispiellosem Kampfgeist und Mut. Sie töteten Abu Dschahl, den Anführer der Götzendiener, und schlugen das dreimal größere Heer in die Flucht. Die Mekkaner ließen 70 Tote (35 wurden durch das Schwert Alis getötet) und 70 Gefangene zurück, während die Muslime 14 Tote zu beklagen hatten.Der Prophet ließ die Gefangenen barmherzig und mitfühlend behandeln. Die muslimischen Kämpfer mussten ihr Essen mit ihnen teilen. Als Lösegeld für die Gefangenen wurde festgesetzt, dass jeder von ihnen, der lesen und schreiben konnte, diese Kunst zehn Muslimen beibringen sollte.Die Schlacht bei UhudDie Mekkaner, allen voran Abu Sufian, konnten ihre vernichtende Niederlage bei Badr nicht verwinden. Sie schworen Rache zu nehmen und den Muslimen die Macht der Kuraisch zu zeigen.Im Jahre 3 n. H. zog ein 3000 Mann starkes Heer unter Abu Sufian Richtung Medina. Hz. Muhammad (s.a.s.) hatte in Medina die allgemeine Mobilisation angeordnet. Überall war die Rede von Dschihad (= heiliger Krieg) und Schahadat (Märtyrertum). Ein harter, schwerer Kampf stand bevor, die Muslime würden sich, ihre Religion und ihr Gebiet mit allen Kräften verteidigen müssen. Die jungen, mutigen Männer küssten ihren Müttern zum Abschied die Hand, und die Väter verabschiedeten sich von Frauen und Kindern. Scharen über Scharen zogen die Muslime nach dem Morgengebet vor die Stadt, um dort die feindlichen Truppen zu erwarten.Im Monat Schawwal 3 n. H. trafen die feindlichen Armeen beim Berg Uhud aufeinander, 3000 Ungläubige gegen 700 Muslime. Hz. Muhammad (s.a.s.) stellte seine Truppen am Fuß des Berges Uhud so auf, dass der Berg in ihrem Rücken lag. Dann ordnete er das Heer für die Schlacht und postierte 50 Bogenschützen auf den Berghang, um die Rückseite der islamischen Armee gegen einen möglichen Angriff des Feindes von hinten zu schützen. Was immer auch geschah, sie sollten ihren Platz nicht verlassen.Die Muslime kämpften tapfer. Durch die Schlagkraft von Imam Ali (a.s.), Hamza und einigen anderen wurden die feindlichen Soldaten derart demoralisiert, dass sie den Überblick verloren und daran waren, sich im völligen Durcheinander zurückzuziehen. Doch nach einigen Stunden änderte sich die Situation. Die Bogenschützen glaubten, der Kampf sei zu Ende, und verließen ihre Stellung auf dem Pass, weil sie sich auch ihre Beute sichern wollten. Nun preschten die mekkanischen Reiter hinter dem Berg hervor und griffen, so wie es der Prophet befürchtet hatte, die muslimischen Kämpfer von hinten an. Dazu kam die falsche Meldung, dass der Prophet getötet worden sei, was zu einem Chaos unter den Muslimen führte. Nur Ali und einige andere blieben bei dem Gesandten Gottes und verteidigten die Person des Propheten. Sie bekämpften die Ungläubigen so ausdauernd, bis diese das Schlachtfeld räumten.Die Schlacht von Uhud war für die Muslime verlustreich. Hamza, ein Onkel des Propheten, wurde mit 70 Gefährten Märtyrer. Der Gesandte Gottes trug eine Verletzung an der Stirn davon und erlitt einen Rippenbruch. Aber dieser Krieg war auch ein Gewinn für die Muslime, weil sie aus ihm etwas Wesentliches lernen konnten. Sie hatten mit eigenen Augen gesehen und am eigenen Leib erfahren, was geschieht, wenn sie den Anordnungen des Propheten nicht Folge leisteten.Die Geburt von Hassan und HusseinAm 15. Ramadan im Jahr drei nach der Hidschra (einen Monat vor der Schlacht von Uhud) wurde der erste Enkelsohn Hassan geboren. Der Engel Gabriel überbrachte dem Propheten folgende Botschaft Gottes: „Gewiss Ali steht zu dir wie Harun zu Musa. So gib dem Neugeborenen den Namen von Haruns Sohn!“ Dieser hieß auf Hebräisch Schubbar, was auf Arabisch Al Hassan bedeutet.Am 3. Scha’ban 4 n. H. wurde Imam Hussein geboren. Der heilige Prophet war überglücklich über seine Enkelsöhne. Er nahm Hussein wie auch bei Hassans Geburt und flüsterte ihm den Azan in sein rechtes Ohr und Iqama in sein linkes Ohr, um die Ohren der Kinder zum ersten Mal mit dem Namen Gottes vertraut zu machen. Wieder erschien ihm der Engel Gabriel und offenbarte ihm den Namen dieses Kindes. Entsprechend dem Namen von Haruns 2. Sohn, der auf Hebräisch Schabir hieß, sollte dieses Kind auf Arabisch Al Hussein bedeutet. Der Prophet wusste über das zukünftige Schicksal des Kindes Bescheid und umso mehr liebte er es und sorgte sich um es. Er sagte: „Hussein ist von mir, und ich bin von Hussein.“ Und „Derjenige, der ein Freund von Hassan und Hussein ist, ist mein Freund, und derjenige, der ihr Feind ist, ist mein Feind.“

Der Gesandte Gottes in Medina

Der Gesandte Gottes in Medina

Mit offenen Armen war der hl. Prophet (s.a.s.) von der Bevölkerung Medinas aufgenommen worden. Medina sollte der erste islamisch verwaltete Stadtstaat in der Geschichte werden. Sogleich fingen die Muslime an, in ihrer neuen Heimat eine Moschee zu bauen und dann ein einfaches Wohnhaus für den Propheten und seine Familie. Der hl Prophet (s.a.s.) forderte jeden Muslim Medinas, Die auch „Ansaris“ genannt wurden, auf, sich mit einem Eingewanderten Muslim aus Mekka, den „Muhagirin“ zu verbrüdern. Dadurch hatte er erreicht, daß die Muslime sich gegenseitig unterstützten, und ihre Einheit sehr stark wurde.Bilal, der erste MuezzinEs war Bilal, der ehemalige schwarze Sklave aus Abessinien, den der Prophet für diese ehrenvolle Aufgabe erwählte. Bilal konnte aufgrund seiner Herkunft manche arabische Laute nicht besonders gut aussprechen. Z. B. sagte er „Ashadu allah illaha illallah statt Aschhadu allah illaha illallah, was manche Araber bemängelten.Der Prophet beharrte jedoch auf seinem Beschluss und versicherte, dass Bilals „Adhan“ sogar die Bewohner des Himmels beglückte. Er wollte damit zeigen, dass es nicht auf Äußerlichkeiten wie Herkunft, Aussehen, Alter, Geschlecht und Sprache ankam, sondern darauf, dass man ein reines Herz habe, aufrichtig sei und Ehrfurcht vor Allah empfinde. All diese Eigenschaften konnte Bilal aufweisen, und so wurde er zum ersten Muezzin.Das Leben in MedinaGleich zu Beginn ging der Gesandte Gottes (s.a.s.) daran, einen Stadtstaat in Medina zu errichten. Er rief alle Bewohner des Ortes, die Einwanderer aus Mekka, bekehrte Muslime aus Medina, Juden und Araber, die noch nicht den Islam angenommen hatten, zusammen und verkündete eine staatliche Verfassung. Dies war die erste auf göttlicher Offenbarung begründete geschriebene Verfassung eines Staates in der Weltgeschichte. Sie enthielt Einzelheiten über die Rechte und Pflichten sowohl des Herrschers als auch der Staatsbürger.Die Muslime aus Mekka konnten endlich in Ruhe und Freiheit leben. Ihr Leben lief bald wieder in den gewohnten Bahnen. Einige trieben Handel und andere arbeiteten als Bauern. Wieder andere, die nicht genug verdienten, um sich und ihre Familien ernähren zu können, wurden aus dem allgemeinen Besitz der Muslime unterstützt.Der Islam begann zu erblühen. Sein Licht leuchtete über die Grenzen Medinas hinweg ins Land hinein. Der erste große Segen, der sich mit dem Einzug des Propheten in diese Stadt abzeichnete war, dass sich zwei große Stämme, die jahrelang in Streit und Fehde miteinander gelegen hatten, versöhnten und zu Ruhe und Frieden untereinander fanden. Die Gläubigen Medinas scharten sich um den Propheten. Nach und nach wandten sich auch die Beduinenstämme der Umgebung Medinas dem Islam zu. Die himmlischen Offenbarungen, die der hl. Prophet nach und nach empfing, fanden gleich in der Gesellschaft Anwendung. Mit jedem neuen Tag wurden weitere schlechte Gewohnheiten abgeschafft, und statt dessen wurden Taqwat und Gerechtigkeit zur Entfaltung gebracht. In seinen Predigten rief Muhammad (s.a.s.) die Menschen immer zur Brüderlichkeit auf. Er selbst führte ein ganz einfaches Leben und war in allen Dingen ein Vorbild für die anderen. Viele Menschen waren von seiner Persönlichkeit so beeindruckt, dass sie den Islam annahmen.Die meisten Muslime Mekkas waren inzwischen ebenfalls nach Medina geflohen, wo sie von ihren Glaubensgeschwistern freundschaftlich aufgenommen wurden.In den Vororten Medinas als auch in Chaibar und Fadak lebten viele jüdische Sippen, deren Gelehrte der arabischen Bevölkerung Medinas schon lange zuvor den islamischen Propheten angekündigt hatten. Als sie jedoch nun von Hz. Muhammad (s. a. s.) zum Islam eingeladen wurden, lehnten sie ab. Sie witterten außerdem Gefahr, für ihre vorherrschende Stellung in der Wirtschaft Medinas. Sie unterwanderten die Muslime und versuchten ihre Einheit zu zerstören. Daher schloss der Prophet mit ihnen verschieden Nichtangriffspakte.Die neue GebetsrichtungDer Gesandte Gottes hatte 13 Jahre in Mekka und 7 Monate in Medina in Richtung Jerusalem gebetet, bis eines Tages der Engel Gabriel dem Propheten offenbarte, dass die Muslime ab diesem Zeitpunkt in Richtung Kaaba beten sollten: „So wende dein Antlitz gegen die heilige Moschee, und wo immer ihr seid, wendet euer Antlitz gegen sie.“ (Sure 2, 145)Die Juden protestierten, denn schließlich war Jerusalem auch ihre Gebetsrichtung, und nun wendeten sich die Muslime von dieser Gebetsrichtung ab. Es war eine Prüfung Allahs, um zu erkennen, wer dem Propheten folgen würde und wer nicht, also um Freund und Feind ausfindig zu machen.Die Hochzeit der Tochter des ProphetenAcht Jahre war Hz. Fatimah (s. a.), als sie mit ihrem Vater nach Medina kam. Dieser hatte inzwischen als Gesandter Gottes hohes Ansehen in der Gesellschaft gewonnen und sein Einfluss und seine Macht nahmen ständig zu. Dies war mit ein Grund dafür, dass Hz. Fatimah die Aufmerksamkeit der Großen der Qureisch auf sich zog. Allah (t. a.) jedoch hatte beschlossen, dass Fatimah Ali, den Cousin und Ziehsohn des Propheten, heiraten sollte. Als Fatimah neun Jahre alt war, fand die Eheschließung statt. Diese Hochzeit war die bedeutendste und beispielhafteste der islamischen Geschichte.Der Vater der Braut war der Gesandte Gottes, die höchste und angesehenste Persönlichkeit der islamischen Welt. Die Braut selber war die vollkommenste aller Frauen im Islam, die zu den vier ganz großen und edlen Frauen der Menschheit gehört. Der Bräutigam war den Großen seiner Gesellschaft hinsichtlich Wissen, Bildung, Tapferkeit und Gesinnung weit überlegen. Er war der offizielle Vertreter, Vertraute und Berater des Gesandten Gottes. Er war der Held der islamischen Welt und oberster Befehlshaber der muslimischen Armee. Schließlich wurden Fatima und Ali die Stammeltern der nachfolgenden (elf) Imame.Man könnte meinen, dass die Hochzeit des Brautpaares mit Prunk und Pracht hätte vollzogen werden müssen. Im Gegenteil, sie war beispielhaft in Einfachheit und Bescheidenheit. Morgengabe (Mechrieh), Hausstand und das Hochzeitsessen waren äußerst einfach gehalten und somit vorbildlich für alle anderen Muslime. Der Prophet wollte damit seinen Anhängern zeigen, dass sie sich aus einem solchen Anlass nicht verschulden, sondern die Feierlichkeiten in einem erschwinglichen Rahmen halten sollen

HIDSCHRA – die Auswanderung des Propheten

Treffen mit den Bewohnern von JathribJedes Jahr zur Pilgerzeit fanden sich viele Stämme Arabiens in Mekka ein. Hz. Muhammad (s.a.s.) nutzte diese Gelegenheit, um die Botschaft Allahs (t.a.) unter den Pilgern zu verbreiten und die Menschen zum Islam einzuladen. Die meisten Stämme machten sich lustig über den Propheten und verspotteten ihn. Eine Gruppe der Einwohner von Jathrib jedoch war beeindruckt von den Worten des Propheten (s.a.s.), nahm den Islam an und versprach, dem Gesandten Gottes zu helfen. Sie verbreiteten den Islam in ihrer Heimatstadt Jathrib, und mit der Zeit nahmen die meisten Menschen dort den Islam an, ohne daß sie den Propheten überhaupt gesehen hatten. Zweimal traf sich der hl. Prophet mit einer Abordnung aus Jathrib in der Nähe von Al Akaba. Das erste Mal gelobten die Bewohner Jathribs, sich an die Lehren des Islam zu halten und die Gebote Gottes zu befolgen. Beim zweiten Treffen versprachen sie dem Gesandten, ihm stetes zu gehorchen und sich immer und überall für die Wahrheit einzusetzen. Außerdem sollten die Muslime Schutz erhalten, wenn ihnen Schaden zugeführt würde.Als die mekkanischen Führer von der raschen Verbreitung des Islam in Jathrib erfuhren, wurden sie noch wütender und ihre Angriffe gegen die Muslime noch grausamer. Deshalb gab der Prophet (s.a.s.) seinen Anhängern nun die Anweisung, Mekka einzeln zu verlassen und nach Jathrib zu gehen, wo sie ein friedlicheres und besseres Leben führen konnten.Das Mordkomplott:Die Qureisch fürchteten, dass auch Muhammad Mekka verlassen würde; und so beschlossen sie ihn zu töten. In einer geheimen Sitzung beratschlagten sie, wie sie Muhammad Ibn Abdullah endlich ein Ende bereiten konnten. 40 ausgewählte Männer aus den Sippen der Qureisch sollten in der Nacht in das Haus des Propheten eindringen und ihn gemeinsam töten. Gemeinsam deshalb, damit die Sippe des Propheten, die Bani Haschim nicht Blutrache nehmen konnte.So geschah es auch. In der vereinbarten Nacht versammelten sich die 40 Männer vor dem Haus des Propheten, doch der Wille Allahs vereitelte ihren Plan. Als sie im Morgengrauen mit gezückten Schwertern in das Haus des Propheten eindrangen, fanden sie zu ihrem großen Erstaunen im Bett des Propheten Imam Ali vor und nicht diesen selbst. Nun wussten sie, dass er ihnen entkommen war.Allah (t. a.) hatte seinem Gesandten den Plan der Götzendiener offenbart und ihn angewiesen, in der Nacht die Stadt zu verlassen. Im Koran Sure Al-anfal (die Beute) im Vers 30 heißt es:„Und (gedenke der Zeit), da die Ungläubigen Pläne schmiedeten gegen dich, dich gefangenzunehmen oder dich zu ermorden oder dich zu vertreiben. Sie planten, auch Allah plante, und Allah ist der beste Plänemacher.“Der Prophet informierte Hz. Ali über den feindlichen Plan, und dieser legte sich, um die Attentäter zu täuschen und um das Leben des Propheten zu retten, auf das Lager des Gesandten. Als die Dunkelheit hereingebrochen war, verließ der Prophet unbemerkt das Haus. Unterwegs schloss sich ihm Abu Bakr an und sie zogen in Richtung Medina.Die Hidschra:Die Nacht auf den 13. September 622 n. Chr. wurde bekannt als Hidschra, die Auswanderung und der Beginn des islamischen Kalenders. In dieser Nacht brachen der Prophet und Abu Bakr auf und erreichten eine Höhle im Berg Thaur, südlich von Mekka. Dort verbargen sie sich, weil sie wussten, dass die Qureisch sofort nach ihnen suchen würden. Diese kamen auch bis zur Höhle, schauten jedoch nicht hinein.Auf wundersame Weise rettete Allah das Leben des Propheten. Eine alte Spinne hatte ihr Netz am Eingang der Spinne gesponnen, sodass die Männer glauben mussten, es könne schon seit Jahren niemand in der Höhle gewesen sein. Nach drei Tagen verließen der Prophet und sein Begleiter die Höhle. Nach neun Tagen Wanderung durch die heiße Wüste erreichten sie einen Ort namens Koba in der Nähe Jathribs. Die Muslime dieser Stadt begrüßten sie herzlich. In Koba errichtete der Prophet mit seinen Gefährten die erste Moschee, und dort verrichtete der Gesandte auch das erste gemeinsame Freitagsgebet. Einige Tage blieb der Prophet in der Stadt Kobe und wartete auf Hz. Ali und die Frauen der Bani Haschem.Hz. Ali hatte in der Zwischenzeit für die Rückgabe der dem Propheten anvertrauten Güter und Werte in Mekka gesorgt. Dann machte er sich auf den Weg nach Jathrib mit den ‘drei Fatimahs’, mit Fatimah, der Tochter des Propheten, mit Fatimah, seiner Mutter und Fatimah, der Tochter von Hamzah und einige anderen Frauen, die des Schutzes gegen die Götzendiener bedurften. In Kobe trafen Hz. Ali und die Frauen schließlich mit dem Propheten und seinen Gefährten zusammen. An einem Freitag kamen sie schließlich in Jathrib an, wo sie schon von der Bevölkerung sehnlichst erwartet und mit allen Ehren empfangen wurden. Jeder wollte der Gastgeber des Propheten sein, doch dieser hatte einen anderen Plan. Er ließ sein Kamel Quaswar durch die Gassen der Stadt laufen, bis es sich an einer bestimmten Stelle niederließ. Dieser Platz gehörte zwei Waisenkindern, deren Vormund den Propheten bat, dort eine Moschee und sein Wohnhaus zu errichten, was der Prophet auch machte.Jathrib wurde seit dieser Zeit Medinatun-nabi genannt, was ‘die Stadt des Propheten’ bedeutet. 

Die ersten Märtyrer

Die Worte des hl. Koran und das vorbildliche Verhalten Muhammads (s.a.s.) hatten solche Anziehunskraft auf die Menschen in Mekka, daß immer mehr sich zum Islam bekannten . Unter ihnen war Ammar, der auch seine Eltern vom Glauben an den Einen Gott überzeugen konnte. Die Gegner des Islam hatten bald davon erfahren. Sie fürchteten, daß sie ihre Macht im Land verlieren würden, wenn immer mehr Menschen auf Muhammad hören würden.So nahmen sie die schwächsten unter den Muslimen, so auch Ammar, seine Mutter Somajeh und seinen Vater Jasser gefangen. Sie wollten sie mit Gewalt zwingen von ihrem Glauben abzulassen. Mehrere Tage gaben sie ihnen nichts zu essen und zu trinken, schlugen auf sie ein und töteten sie vor den Augen ihres Sohnes. So wurden Somajeh und ihr Mann Jasser die ersten Märtyrer im Islam.Die Auswanderung nach AbessinienDie Unterdrückung und Drangsalierung durch die Götzendiener setzte sich fort und wurde immer heftiger und qualvoller. Schließlich wies Hz. Muhammad (s.a.s.) einige seiner Gefährten an, mit ihren Familien nach Abessinien auszuwandern, damit sie wenigstens eine Zeit lang von Folter und Unterdrückung verschont blieben. In Abessinien regierte Negus, ein gläubiger Christ, der ihnen sicherlich erlauben würde, ihre Religion frei auszuüben. Im Jahr 651 n. Chr. machten sich 80 Männer und 18 Frauen auf den Weg, angeführt von Jafar, einem Sohn von Abu Talib und einem Bruder Alis (a.s.)Die mekkanischen Götzenanbeter verfolgten die Muslime, jedoch ohne Erfolg. Daraufhin entsandten sie zwei ihrer angesehenen Männer mit kostbaren Geschenken zum Negus. Sie wollten ihn bestechen, damit er ihnen die mekkanischen Emigranten wieder auslieferte. In Anwesenheit des Negus diskutierten Jafar Ibn Abi Talib und die Ungläubigen aus Mekka. Die Argumente Jafars und vor allem die Koransuren über Hz. Mariam und Prophet Isa (a.s.) beeindruckten den Negus sehr. Er erkannte, daß die Offenbarungen Muhammads (s.a.s.) und Jesu (a.s.) aus derselben Quelle kommen mußten. So erteilte er den Boten aus Mekka ein herbe Absage, gab ihnen ihre Geschenke zurück und verwies sie des Landes. Die Gefährten des Propheten aber durften in Abessinien bleiben und wurden geachtet und respektiert.Die Geburt Hz. Fatimas (s.a.)Im gleichen Jahr, also 615 n. Chr., wurde Hz. Fatima geboren. In dieser schweren Zeit verbrachte der Prophet (s.a.s.) 40 Tage lang betend und fastend allein in der Höhle Hira, bis er vom Engel Gabriel die Aufforderung erhielt, zu seiner Frau Chadidscha zurückzukehren. Die Söhne des Propheten Abdullah und Kazim waren bereits verstorben, und er selbst als Nachkommenlos (abtar) verhöhnt worden.Bei der Geburt Hz. Fatimas weigerten sich die Frauen der Kureisch, Chadidscha beizustehen. Statt dessen stiegen Engel und Frauen aus dem Paradies zu ihr herab und halfen ihr. In dieser für die Muslime äußerst schwierigen Zeit erhellte das strahlende Licht der Geburt Hz. Fatimas die Welt und erleuchtete Osten und Westen. Mit der Sure Kauthar war dem Hl. Propheten mitgeteilt worden, daß Fatima die Mutter seiner Nachkommen sein würde.Im Tal von Abu TalibNachdem alle Anstrengungen der Götzendiener gegen die Muslime erfolglos blieben, beschlossen sie, vereint und verbündet, Muhammad zu töten. Abu Talib erfuhr von ihrem finsteren Vorhaben und evakuierte den Propheten und viele der Bani Haschim in des Tal „Schiyb Abu Talib“. Das war im Jahr 617 n. Chr..Abu Talib wie auch die Bani Haschim unterstützten und schützten den Propheten. Sie bewachten das Tal und bezogen des Nachts in den umliegenden Bergen Posten, um eventuellen nächtlichen Überfällen der feindlichen Verbündeten vorzubeugen. Unter anderem bewachte Hamzah, ein Onkel des Propheten, diesen in der Nacht mit gezogenem Schwert.Die mekkanischen Führer begriffen nun, daß sie den Propheten so nicht gefangen nehmen konnten. Deshalb setzten sie einen Vertrag auf, der von 40 der Quraisch unterschrieben wurde und in der Kaaba aufgehängt wurde.In ihm wurde den Mekkanern bei Androhung harter Strafen verboten, Handel mit den Muslimen zu treiben, ihnen etwas zu verkaufen- z.B. Wasser oder Nahrungsmittel. Drei Jahre lang fristeten die Muslime ein hartes Dasein im Ghetto, beherrscht von Hunger und Durst, brennender Sonne am Tag und Beißender Költe in der Nacht. Sie konnten sich nur schwerlich mit dem Wenigen, das ihnen der eine oder andere auf Schleichwegen in das Lager hinein schmuggelte, vor dem Hungertod bewahren.Auch Hz. Fatima (s.a.) lebte hier als kleines Mädchen. Im Tal von Abu Talib wurde sie der Muttermilch entwöhnt, lernte mit den anderen Kindern Hunger und Not kennen und lernte dort im heißen Steppensand laufen. In den Nächten klagten und weinten die hungrigen und durstigen Kinder. Viele Muslime sind krank geworden und gestorben.Nach 3 Jahren hatten Ameisen den Vertrag auf Befehl Gottes vollständig aufgefressen. Nur der Name Allah war übriggeblieben. Zum anderen machten die Verbündeten den Führern von Mekka wegen ihres brutalen Vorgehens gegen die Bani Haschim immer heftiger Vorwürfe. Und so mußte die Isolation der Muslime aufgehoben werden, und die Bani Haschim kehrten nach Mekka zurück.Das Jahr der TrauerKurze Zeit nach der Rückkehr nach Mekka verstarb jedoch Abu Talib, jener hochangesehene Mann, der den Propheten nach Kräften unterstützt und geschützt hatte. Bald darauf sollte der zweite Schicksalsschlag für den Propheten folgen, denn auch seine treue Frau Chadidscha starb. Nun war auch seine größte Stütze, Hilfe, seine Beraterin in persönlichen Angelegenheiten, seine Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder aus dieser Welt gegangen. Damit brach eine noch schwerere Zeit für Hz. Muhammad an. Die Götzendiener verhöhnten ihn, bewarfen ihn mit Steinen, mit Schmutz und Unrat, verspotteten ihn und gingen sogar so weit, daß er bisweilen blutend zerschunden und in seiner Seele tief gekränkt nach Hause kam. Dort empfing ihn die kleine Fatima, die ihren Vater tröstete und pflegte. Es war nun für den Propheten fast unmöglich geworden, den Islam öffentlich zu verbreiten.Die Reise nach Ta’ifHz. Muhammad (s.a.s.) unternahm eine Reise ins 100 km entfernt gelegene Ta if, wo die Menschen noch nichts vom Islam gehört hatten. Die unwissenden Leute der Stadt jedoch schmähten und beschimpften ihn und trieben ihn unter einem Steinhagel aus der Stadt hinaus. Sie hatten auch die Kinder angeheuert, den Propheten mit Steinen zu bewerfen.Al-Miradsch – Die HimmelsreiseIn diesem schweren Jahr ließ Allah (t.a.) seinen Gesandten eines Nachts eine große Reise machen. Der Engel Gabriel brachte ihm die Pferdestute Burak, was Blitz bedeutet. Nach dem Abendgebet ritt er mit ihr in Windeseile nach Jerusalem, wo er Allahs frühere Propheten traf. Auf dem Berg, wo heute die Al- Aqsa- Moschee steht, betete er mit den Propheten Adam, Ibrahim, Musa und Isa und allen anderen. Danach begann die Reise bis zum 7. Himmel in die Nähe Allahs. Allah (t.a.) zeigte seinem letzten Gesandten dden Himmel und eröffnete ihm viele Geheimnisse. Vor dem Frühgebet kehrte der Prophet wieder nach Mekka zurück.( siehe Muhammads Leben, S. 42/43). 

Die Verbreitung der islamischen Lehre

Die Verbreitung der islamischen Lehre

Mit dem Beginn der Offenbarung hatte Prophet Muhammad (s.) den göttlichen Auftrag erhalten, alle Menschen zum Islam und der Anbetung des Einzigen Gottes aufzurufen. Er war beauftragt, gegen Unglauben, Götzentum und Abgötterei sowie gegen ausschließlich materielles Denken und Handeln zu kämpfen, die Notleidenden und Unterdrückten zu unterstützen und sie aus ihrer Unterdrückung zu befreien. Hz. Muhammad (s.) wußte von Anfang an über seine Aufgabe Bescheid. Er wußte auch, dass auf diesem Weg viele Schwierigkeiten und Probleme auf ihn warteten und dass er es nicht leicht haben werde, diese ihm von Allah aufgetragene Verantwortung gut zu erfüllen.Er erkannte, dass jedes übereilte Vorgehen seine Einladung zu dem Einzigen Gott zerstören würde. So begann er sein Werk mit Geduld, Weitblick und der erforderlichen Vorsicht. Er führte seinen Auftrag stufenweise durch. Die 1. Etappe seiner Einladung zum IslamDie ersten, die Hz. Muhammad (s.) zum Islam einlud, waren seine Ehefrau Chadidscha und sein Vetter Ali, der gerade 12 Jahre alt war. Sie versprachen ihm, ihn in seiner großen göttlichen Sendung zu unterstützen und er konnte sich auf seine ersten beiden Anhänger völlig verlassen. So wurde sein Haus der erste Stützpunkt seiner Bewegung , also das erste islamische Zentrum. Mit ihnen beiden verrichtete der Prophet die ersten Gemeinschaftsgebete, bisweilen in seinem Haus, bisweilen in einem Winkel der Heiligen Moschee.Einige Zeit darauf wandte sich Zayd, ein freigelassener Sklave im Haus des Propheten, dem Islam zu. Obwohl er als freier Mann zu seinen Eltern hätte zurückkehren können, zog er es vor, im Haus des Propheten zu bleiben.Nun begann der Prophet jeden, der dazu bereit und aufgeschlossen war, über Allah (t. a.) und Islam aufzuklären, aber geheim und in aller Verschwiegenheit. Er trug ihm Verse aus dem heiligen Qur’an vor, erkläre sie ihm und lud ihn zum Islam ein. Manchmal geschah das in der Stille der Moschee, manchmal neben den Hügeln von Marwah und Safa, oder aber im Haus des Propheten selbst. Auch die neuen Muslime taten ihren Glauben nicht in aller Öffentlichkeit kund, und sie verrichteten das Gebet im Verborgenen. Im Verlauf von drei Jahren gelang es dem Propheten seine Anhängerschar auf 40 opferfreudige, standfeste und willensstarke Muslime anwachsen zu lassen und diese auszubilden.Am Ende des dritten Jahres änderte sich die Situation jedoch schlagartig. Ein paar Götzenanbeter entdeckten einige Muslime in den Bergen, wie sie mit Gebet und Gotteslobpreisung beschäftigt waren. Die Götzendiener waren empört und fingen laut an zu schreien, zu fluchen und zu drohen. Es kam zu einem Handgemenge mit den Muslimen. Die Muschrikin kehrten nach Mekka zurück und berichteten, was sie gesehen hatten. Nun wußten alle Bescheid und begriffen, dass die Einladung des Propheten zum Einen Gott nicht ohne Wirkung geblieben war. Dem Islam war es in diesen drei Jahren gelungen, in Mekka, der Metropole des arabischen Götzendienstes, Wurzeln zu schlagen, und es sollte nicht mehr gelingen, ihn zum Verstummen zu bringen.Die 2. Phase der Einladung zum Islam“Wahrlich! Gott hat den Gläubigen Huld erwiesen, indem er aus ihrer Mitte einen Gesandten erweckte, der ihnen Seine Zeichen (Ayat) vorträgt, sie reinigt und sie das Buch und die Weisheit lehrt, wo sie doch in offenkundigem Irrtum waren.“ (Sure 3, Al Imran, 164)Allah gab nun dem Propheten zu verstehen, dass es an der Zeit wäre, den Islam nicht mehr nur im Geheimen, sondern auch in der Öffentlichkeit zu verkünden.Die Einladung der Verwandten und guten FreundeZunächst lud Muhammad (s.) seine Verwandten und Freunde zu einem Essen ein. Nachdem alle gegessen und getrunken hatten, begann Muhammad (s.) über Allah, den Barmherzigen und Gerechten und über die islamische Lehre zu sprechen. Doch plötzlich wurde er von seinem Onkel Abu Lahab unterbrochen. Dieser liebte es, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Auf gemeine Art widersprach er seinem Neffen ständig und störte die ganze Versammlung , bis die Leute schließlich anfingen zu gehen. So war es dem Propheten nicht mehr möglich, alles zu sagen, was er vorhatte. Doch ließ er sich durch dieses Ereignis von seinem Vorhaben nicht abbringen.Er lud seine Verwandten ein zweites Mal zu einem Essen ein. Als die Gelegenheit günstig war, sagte er: „Allah hat mir anbefohlen, euch Seine Botschaft zu überbringen. Wer will mir dabei helfen und mein Bruder, Beistand und Stellvertreter sein?“ Die Frage kam für die Anwesenden ziemlich unerwartet. Sollten sie einer neuen Lehre, Islam genannt, folgen, die noch fast völlig unbekannt für sie war? Und sollten sie jemand folgen, der nicht einmal das Oberhaupt der Qureisch war?Die eingetretene Stille wurde plötzlich unterbrochen von der Stimme des jungen Ali: „O Prophet Gottes. Ich will dein Helfer sein und den bekämpfen, der dich bekämpft.“ Die Anwesenden waren erstaunt und schmunzelten, denn sie konnten die Aussagen eines Jungen nicht ernst nehmen. Doch Muhammad (s.) hat in Anwesenheit aller, auch Abu Talibs, eines Führers der Qureisch, dessen Sohn Ali als seinen Wesir und Stellvertreter bekanntgegeben. Abu Talib erhob dagegen keine Einspruch. Unterstützte er selbst bereits Muhammad? Die dritte Etappe der Einladung zum IslamNun war der Augenblick gekommen, da der Prophet öffentlich zum Islam und dem Einzigen Gott aufrufen sollte. Er teilten den Menschen mit, dass er von Gott beauftragt sei, sich um die Rechtleitung der Menschen zu kümmern. Es kam von Gott das Gebot:„Muhammad! Das, was Wir dir geboten, sage nun in aller Öffentlichkeit. Sage, was recht und was unrecht ist. Und fürchte dich nicht vor den Götzenanbetern und deren Spott, denn wir werden sie bestrafen.“Muhammad (s.) eilte zum Hügel Safa, denn wichtige Nachrichten teilte er gewöhnlich dort mit. Er erinnerte an seine Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit und sagte mit fester und überzeugter Stimme: „Leute! Ich bin der Gesandte Gottes und von Gott zu euch und allen Menschen geschickt worden. Wisset, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist! Wie ihr einschlaft und wieder aufwacht, so werdet ihr sterben und wieder zu neuem Leben erwachen.Am Tag der Auferstehung werdet ihr zur Abrechnung gerufen werden und erscheinen. All eure Worte und alle euer Tun werden dann geprüft und bewertet werden. Für gute Ware werdet ihr belohnt und für schlechte bestraft. Leute, ich bringe euch ein ausgezeichnetes Programm und damit das Glück dieser Welt und der jenseitigen.Sprecht: ‘Es gibt keinen Gott außer dem Einzigen!’ auf dass ihr errettet seiet! Betet einzig und allein Gott – Allah – an! Und – gestärkt durch den Glauben – vereint Araber und Nichtaraber unter dem Banner des Tauhid.“In dieser Phase seiner Mission betonte Hz Muhammad wesentlich die Notwendigkeit des Ein-Gott-Bekennens und die Anbetung des Einzigen Gottes, weniger die totale Verneinung der Götzen. Das beruhigte die Götzendiener und beschwichtigte sie in ihrem Zorn gegen Muhammad. Sie dachten, Muhammads Lehre hätte keinen so großen Einfluß auf die Leute und sie könnte der Lehre ihrer Väter nicht schaden. Sie stellten sich auch vor, sie könnten bei ihrem Glauben und Muhammad sowie seine Anhänger bei ihrem bleiben. Deshalb ließen sie Muhammad aus Respekt gegenüber der Würde und Persönlichkeit Abu Talibs in dieser Phase noch in Ruhe.  Die 4. Etappe der Einladung zum IslamDie Offenbarung folgender Sure leitete die 4. Etappe der Verkündigung des Islams ein:„So tue denn offen kund, was dir geboten war. Und wende dich ab von den Götzendienern! Wir werden dir gewiss genügen gegen die Lästerer!“ (Sure 15 (Hidschra), 95)Nun begann der Prophet in aller Offenheit Götzen und Götzendienst zu kritisieren und er klärte die Bevölkerung von Mekka auf über die Machenschaften und Absichten der ‘Großen’ und Verantwortlichen des Götzenkultes. Er erklärte ihnen die Unsinnigkeit des Götzenkultes und machte ihnen den Unterschied zwischen Recht und Unrecht deutlich. Die Menschen konnten nun endlich die Ursache für ihr Leid und Elend erkennen, dass sie nämlich von den Drahtziehern des Götzendienstes um ihre menschenwürdige Existenz betrogen wurden. Die Aufklärung der Menschen und die Botschaft des Einzigen Gottes ließ die Zahl der Muslime immer mehr ansteigen, und der Einfluss des Islams wurde immer größer.Die „Großen“ des Götzendienstes erkannten die Gefahr, die auf sie zukam, dass nämlich Muhammad die ganze Gesellschaft umkrempeln werde. Sie wollten ihren Reichtum und ihre Macht behalten und ihren selbstgefälligen Lebenswandel nicht aufgeben. Sie fürchteten, dass sich die unterdrückten Sklaven der Lehre Muhammads anschließen und nicht mehr bereit sein würden zu gehorchen. Sie mussten also Muhammad dazu bewegen zu verzichten, seine Lehre weiterhin in der Öffentlichkeit zu verbreiten.Zunächst versuchten sie es mit Gesprächen und Kompromissen. Sie wandten sich an Abu Talib und forderten ihn auf seinen Neffen einzuwirken, er solle aufhören, weiterhin gegen ihre Götzen und ihren Götzenkult vorzugehen. Daraufhin antwortete Hz. Muhammad:“Lieber Onkel! Das Unglück dieses Volkes hat seine Ursache im Götzendienst. Und die Großen der Götzenlehre begehen – im Gewande des Götzendienstes – Unrecht und Verbrechen an den Menschen und treten deren Rechte mit Füßen.“Nun versuchten die Götzendiener, den Propheten mit Geld, Reichtum und Macht zu bestechen, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Wieder gingen sie zu Abu Talib und unterbreiteten ihm ihre Vorschläge. Hz. Muhammad (s.) antwortete ihm:„Und wenn man mir die strahlende Sonne in die Rechte und den leuchtenden Mond in die Linke gäbe, so würde ich dennoch nicht diesen göttlichen Auftrag unerfüllt lassen. Ich werde weitermachen, bis mir Gelingen beschert sein wird oder aber Tod und Schahadah mich ereilen.! Sage ihnen, dass sie statt all ihrer Vorschläge nur ein Wort sagen: ‘Es gibt keinen Gott außer dem Einzigen’ auf dass sie errettet sein mögen.“Als die Götzendiener sahen, dass sie auch mit ihren Geld- und Machtversprechungen nichts ausrichteten, beschlossen sie, Hz. Muhammad zu töten. Sie schlugen Abu Talib vor , sich einen anderen jungen Mann anstelle von Muhammad als Sohn zu nehmen, damit sie Muhammad töten könnten. Abu Talib war entsetzt und empört über ihre Unverschämtheit und Schamlosigkeit und stand weiterhin voll und ganz zu seinem Neffen. Hz. Muhammad (s.) lehnte jeglichen Kompromiss mit den Muschrikin ab. Der Glaube an den Einen Gott zog immer mehr Menschen in ihren Bann. Bald standen sich zwei Gruppen gegenüber: die Muslime und die Qureisch, die den Propheten als Lügner bezeichneten. Die Gegner der Muslime griffen zum letzten Mittel, nämlich zur Gewalt. Hinterhältig wurde den Muslimen aufgelauert, die Anhänger Muhammads wurden eingesperrt und oft sogar grausam gequält, obwohl sie niemandem etwas Böses getan hatten. Es war eine sehr schwere Zeit für Muhammad und seine treuen Gefährten. Trotzdem hielten sie zusammen und ertrugen die Verfolgung standhaft. Sie waren überzeugt, Gott würde ihnen beistehen.Der Prophet und die Mustasafin (die Unterdrückten)Damit ihr besser versteht, warum der Prophet und seine Anhänger in Mekka von den großen Götzendienern beleidigt, beschimpft, verletzt, gequält und sogar getötet wurden, mache ich einen Sprung in die Zeit des Propheten in Medina, um euch zu zeigen, wie Hz. Muhammad (s.a.s.) dort gelebt hat.Neben der Moschee des Propheten stand eine einfache Hütte aus Lehm und Palmwedeln, die „Suffah“ hieß. Dort wohnten Arme von Medina, die keine Unterkunft hatten. Prophet Muhammad (s.a.s.) war eng befreundet mit ihnen. Er besuchte sie und brachte ihnen oft Nahrungsmittel. Er lud sie auch zu ihnen ein und bewirtete sie mit großer Zuvorkommenheit. Die Armen umringten ihn, vertrauten sich ihm an und lauschten seinen Worten über die göttlichen Gebote und den heiligen Koran.Einige der Bewohner Medinas waren jedoch unzufrieden mit dem Verhalten de Propheten und protestierten dagegen. Sie meinten, es schade dem Ansehen des Propheten, wen er sich so eng mit den Armen zusammenschließe, ja sie sogar zu sich nach Hause einlade. Die Reichen Mekkas würden sich vom Propheten fernhalten, denn es wäre eine Mißachtung ihrer Würde und Stellung, wenn sie sich neben diese Armen setzen müßten, um dem Propheten zuzuhören. Und der Prophet könne nur mit ihrer Macht und ihrem Einfluß dem Islam zu mehr Macht und Einfluß verhelfen!Diese Menschen bedachten jedoch nicht, daß der göttliche Auftrag des Propheten unter anderem dem Ziel galt, diesen irrigen Wertvorstellungen ein Ende zu bereiten……..Hz. Muhammad (s.a.s.) sollte durch seine Worte und sein Verhalten neue Werte setzten. Er sagte, daß Adel und Würde eines Menschen in engem Zusammenhang stehe mit dessen Taqwa ( d.i. auf den Glauben gestütztes gutes Verhalten) und dessen Glauben an Gott. Und im Islam gelten jene als edel und ehrenwert, die tugendhaft und gottesfürchtig sind und an Gott und die Worte des heiligen Propheten glauben.Salman FarsiEiner der Bedürftigen, der tief und fest an Gott und dessen Propheten glaubte, war Salman Farsi. Er war sehr arm und besaß fast nichts. Sein wollener Aba war geflickt, sein Gesicht sonnenverbrannt und seine Hände von harter Arbeit gezeichnet. Der Prophet lobte ihn wegen seiner Tugend und Gottesfurcht und betrachtete ihn als Mitglied seines Hauses. Eines Tages beschwerte sich ein einflußreicher Mekkaner beim Propheten über die häufige Anwesenheit Salman Farsis in seinem Haus. Der Prophet antwortete ihm daraufhin folgendes:“„Kein Mensch hat vor dem anderen irgendwelche Privilegien oder mehr Ehre und höheren Rang. Araber und Nichtaraber, Schwarze und Weiße – alle sind sie Geschöpfe Gottes und Nachkommen Adams.Vorzug und Würde eines Menschen haben allein mit dessen Tugend und Gottesfurcht – mit dessen Taqwa – zu tun.“Gottesfurcht und Tugend waren also dem Propheten ausschlaggebend für seine Freundschaft oder Feindschaft mit jemandem. Er war herzlich und freundlich zu den Gottesfürchtigen und Tugendhaften, auch wenn sie noch so arm und bedürftig waren. Den Hochmütigen und Arroganten war er ein Feind, auch wenn sie noch so reich und mächtig waren.

Die Bestimmung Muhammads (s. a. s) zum Propheten Gottes

Die Bestimmung Muhammads (s. a. s) zum Propheten Gottes

Die Lage in MekkaDie Lage in Mekka war zur Zeit von Hz. Muhammad (s.a.s.) sehr schlecht. Die meisten Menschen litten große Not, während eine kleine Minderheit in Luxus auf Kosten der Armen lebte. Unglück, Armut, Krankheit und leider auch Unwissenheit waren weit verbreitet. Hz. Muhammad dachte ständig über die vielen verschiedenen Dinge nach, die er sah und hörte, grübelte über die Geheimnisse des Lebens und suchte nach einer Veränderung der Verhältnisse. Das Schlimmste aber war, daß die Menschen den Glauben Prophet Ibrahims (a.s.) und den Glauben an Allah (t.a.) verlassen hatten. Statt dessen machten sie sich selbst zahlreiche Götzen, die sie anbeteten. Hz. Muhammad wußte jedoch, daß die Verehrung dieser Götzen reine Zeit- und Energieverschwendung war, denn sie halfen den Menschen nicht. Und ist es nicht unter der Intelligenz und Würde des Menschen, von Statuen, die er selbst geschaffen hat, Hilfe zu erbitten?Verehrung gebührt allein dem Schöpfer des gesamten Universums, dem wir auch unsere eigene Existenz verdanken! Die Höhle HiraZum Gebet und Nachdenken zog sich Hz. Muhammad häufig in eine Höhle oben auf dem Berg Hira zurück, der etwa zwei Meilen nördlich von Mekka liegt. Sie ist von außen kaum zu erkennen, und auch innen bietet sie höchstens Platz für zwei Personen. Aber welche Überraschung, vom Inneren der Höhle kann man sogar die Kaaba in Mekka erkennenMehrere Jahre besuchte Hz. Muhammad nun schon die Höhle. Manchmal nahm er seine Frau Chadidscha mit, und manchmal begleitete ihn sein Cousin und Pflegesohn Ali.Die erste OffenbarungEines Nachts, es war der 27. Radschab 610 n. Chr., als Muhammad (s.a.s.) in der Höhle war kam der Engel Gabriel und half, die in das Herz des Propheten gebrannten Worte des Heiligen Qur’an auf seine Zunge zu bingen. „Lies“, hörte Muhammad sagen, und die ganze Höhle hallte von dem Echo wieder.„Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen, Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige, der den Menschen lehrte durch die Feder, den Menschen lehrte, was er nicht wußte.“Muhammad (s.a.s.) wiederholte diese Worte und ihm war, als seien sie tief in seinem Herzen eingraviert. Nachdem er die Höhle verlassen hatte, hörte er plötzlich eine Stimme über sich rufen: „Ich bin Gabriel. Muhammad, ich bringe die Botschaft Gottes an Seine Propheten. Du bist Sein Prophet, und du wirst die Menschen den rechten Weg, den Weg der Wahrheit leiten.“ Mit diesen Worten hatte der Engel Muhammad (s.a.s.) zum Propheten Gottes bestimmt.Dann kam der Prophet vom Gebirge herunter, wobei er wegen der Herrlichkeit Gottes, die ihn erleuchtet hatte, wie ein kranker Mensch fieberte und zitterte. Weil Gott ihn gegenüber vielen Feindseligkeiten und Widerständen, die auf ihn zukommen sollte, bestärken und ermutigen wollte, ließ Er alle Dinge um ihn herum – Steine, Felsen, Berge – zu seiner Unterstützung zur Sprache kommen. Der Prophet hörte bei jedem Ding, an dem er vorbeiging, diese Stimme: ‚Friede sei mit dir, o Muhammad, Friede sei mit dir, o Freund Gottes, Friede sei mit dir, o Gesandter Gottes.‘ Als der Prophet nach Hause kam, erzählte er seiner Frau Chadidscha von seinem außergewöhnlichen Erlebnis. Sie war schon seit 15 Jahren mit ihm verheiratet und kannte ihn besser als jeder andere. So erfasste sie die Tragweite ihres Berichts und war von seiner Wahrhaftigkeit überzeugt.Die erste MuslimaEs dauerte nicht lange, da erklärte Hz. Chadidscha: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.“ Auf diese Weise legte Chadidscha das Glaubensbekenntnis ab und wurde so zur ersten Muslima.Prophet Muhammad (s.) wartete inbrünstig auf die nächst Offenbarung, doch es dauerte Wochen, bis der Engel Gabriel ihm wieder erschien. Es war eine Zeit des hoffnungsvollen Wartens, der Geduld und Selbstprüfung.Die frohe BotschaftNach langer Wartezeit kam schließlich der Engel Gabriel mit einer frohen Botschaft.„Bei der Morgenfrühe und der Nacht, wenn sie dunkelt. Nicht verlassen hat dich dein Herr und ist nicht böse. Doch das Jenseits ist gewiss besser für dich als das Diesseits, und dein Herr wird dich bald beschenken, und du wirst zufrieden sein. Fand er dich nicht als Waise und gab dir Obdach? Fand er dich nicht unwissend und leitete dich recht? Und fand er dich nicht arm und machte dich reich? Darum, was die Waisen angeht, so unterdrücke sie nicht, und was den Bittenden betrifft, so weise ihn nicht ab. Und von deines Herren Huld erzähle!“ (Sure 93)Muhammad bekam von jetzt an mehr und mehr Offenbarungen. Bald wurde ihm die Form des Gebetes gelehrt, das er und Chadidscha gemeinsam durchführten. Nicht lange danach entdeckte Abu Talibs Sohn Ali die beiden beim Gebet. Hz. Muhammad erzählte Ali auf seine Fragen hin von Allah, dem Engel und dem Koran, dem geoffenbarten Buch. Von nun an bekannte sich Ali auch zum Islam und wurde der erste Muslim (s. Muhammads Leben, S. 22)LAILAT-UL-QADRIn seinem 40. Lebensjahr suchte Hz. Muhammad (s.) die Höhle Hira öfter auf als sonst. Besonders im Monat Ramadan verweilte er dort, fastete bei Tag und betete in der Nacht. Es geschah in der Nacht von Lailat-ul-qadr, der Nacht der Bestimmung, dass Allah Seinem Gesandten den Koran als Ganzes in sein Herz hinabsandte und einprägte. Der Koran sagt sinngemäß: Diese Nacht ist besser als tausend Monate und ihr kommen die Engel und der Geist mit der Erlaubnis Allahs auf die Erde herab. Sie nehmen alle Nöte, Bitten und Hilferufe der Menschen in Empfang und tragen sie vor Allah. Deshalb ist es empfohlen, dass die Muslime in dieser Nacht Wache halten, um zu beten, Koran zu lesen und ihre Anliegen vorzubringen. 

Das erste islamische Zentrum

Die erste islamische Familie

Die erste islamische Familie, die gegründet wurde, war die Muhammads (s.a.s.) und Chadidschas. Ihr Haus, ihre Familie, stellte das erste „Islamische Zentrum“ dar. Sie waren zunächst nicht mehr als 3 Personen: Muhammad, Chadidscha und Ali (a.s.). Als der Prophet 28 Jahre alt war, wurde Ali als Sohn von Abu Talib geboren. Von der wundersamen Geburt Alis und der engen Beziehung Muhammads bereits zum Neugeborenen haben wir schon früher gehört. Und so verwundert es auch nicht, daß Muhammad seinen Onkel bat, den kleinen Ali, der damals gerade 5 Jahre alt war, in seine Familie aufnehmen zu dürfen. Muhammad wußte, saß sein Onkel kein reicher Mann war. Auch aus Dankbarkeit für die viele Liebe, die sein Onkel ihm gegeben hatte, wollte Muhammad seinen Onkel nun unterstützen. Ali zog also zu Muhammad und Chadidscha und wuchs unter ihrer Obhut zu einem Menschen mit bestem Charakter heran.Dieses Haus, diese Familie, war das Zentrum, der Ausgangspunkt der weltweiten islamischen Bewegung. Eine schwere Verantwortung und Verpflichtung lastete auf ihnen. Sie mußten gegen Gottlosigkeit und Götzentum zu Felde ziehen, hatten also das Ein- Gott – Bekenntnis (Tauhid) in alle Welt hinaus zu tragen. Sie waren seinerzeit die einzige islamische Familie und Gemeinschaft auf dem gesamten Erdenrund. Weitere Muslime gab es noch nicht. Doch sie, die kühnen, fest überzeugten und engagieren Vertreter des ersten Stützpunktes des Islam, waren entschlossen, die Herzen der Menschen zu erobern und sie für den Islam – d.h. für Gott – zu gewinnen. Jene kleine, aber aktive und zuversichtliche Glaubensgemeinschaft war bereit und gerüstet. An ihrer Spitze stand Muhammad ( s.a.s.), über dessen Gesinnung Gott im 4. Vers der Sure 68 Qalam spricht:„Deine Gesinnung, Muhammad, ist hoch und edel!“Muhammad war stets gütig gegenüber den Mitgliedern seiner Familie. Seine Ehefrau verehrte er so sehr, daß sein liebevolles Verhältnis zu ihr besonders stark von den damaligen Gepflogenheiten der vorislamischen Beduinengesellschaft abwich. Selbst die Freundinnen Chadidschas würdigte er um ihretwillen. Wenn er z. B. ein Geschenk bekam, ließ er es des öfteren zum Haus einer Freundin Chadidschas bringen. Immer wieder betonte Muhammad auch gegenüber anderen Männern, daß sie sich gegenüber ihren Ehefrauen auf die beste Art und Weise verhalten sollten. Er wußte natürlich, daß alle Menschen gute und schlechte Seiten haben. Sein Erziehungskonzept aber zielte darauf ab, das Gute im Menschen zu stärken und nicht einem anderen Menschen, geschweige seinem Lebenspartner, dessen schlechte Eigenschaften vorzuhalten.Chadidscha stellte ihrem Mann ihr ganzes Vermögen zur Verfügung, und Muhammad kümmerte sich fortan um Chadidschas vielseitige Handelsgeschäfte. Aber sein Herz war nicht bei dem vielen Geld, über das er nun verfügte. Er half statt dessen den Armen, bezahlte ihre Schuldenundkaufte viele Sklavinnen und Sklaven frei. Die Sklavinnen im eigenen Haushalt ließ er frei und half selbst seiner Frau bei der Hausarbeit, denn er wollte nicht bedient werden. Die Führung im Hause oblag Chadidscha. Sie war die „Hausherrin“, glaubte an die heiligen Ziele und Vorhaben Muhammads und unterstütze ihn ohne Mühe und Opfer zu scheuen.Muhammad und Chadidscha lebten ein überaus harmonisches und glückliches Familienleben. Sie wünschten sich Kinder, damit ihre Mission, das Ein- Gott- Bekenntnis zu stärken und den Menschen zu helfen, weiterbestehen und sich vermehren 3ürde. Chadidscha gab alles und sich selbst für dieses Bestreben hin. Bedingungslos fügte sie sich den Wünschen Muhammads, die voll und ganz dem Worte Gottes entsprachen. Der Prophet wußte, um seine hohen Ziele zu erreichen, mußte er standhafte und ehrenwerte Nachfolger bekommen.Leider waren aber die Söhne Qasim und Abdullah schon als kleine Kinder gestorben, was für die Familie eine schwere Prüfung bedeutete. Muhammad war zu seinen Kindern besonders herzlich und gefühlvoll. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der damaligen Gesellschaft spielte er mit ihnen, nahm sie auf seine Schultern und küßte sie. Als er einmal seinen Enkelsohn Mugtaba im Beisein eines reichen Mekkaners auf das Gesicht küßte, war dieser erstaunt und sagte, daß er seine beiden Söhne noch kein einziges Mal geküßt hätte. Daraufhin erwiderte der Prophet, ohne ihn dabei zu verletzen: „Bedenke, wer keine Güte zeigt, dem wird auch keine Güte erwiesen.“ Muhammad achtete und grüßte Kinder, noch bevor sie ihn grüßten. Er sagte: “ Ehrt und respektiert die Kinder und seid freundlich zu ihnen! Denn jemand, der unfreundlich zu Kindern ist, ist kein Muslim!“In gleichem Maße, wie die Eltern Muhammad und Chadidscha über den Tod ihrer Söhne trauerten, waren diejeinigen Mekkaner, die sich von der Familie Muhammads provoziert fühlten, erfreut darüber, da sie annahmen, mit dem Tod der Prophetensöhne würde das Haus Muhammads erlöschen. Sie bezeichneten ihn in ihrer Schadenfreude als „abtar“, d.h. als „nachkommenslos“, was den Propheten und seine Frau zutiefst verletzte.Muhammad wurde durch sein vorbildliches Verhalten bald in Mekka bekannt. Alle in Mekka ansässigen Stämme respektierten ihn wegen seiner Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Viele Menschen verehrten ihn, vor allem Arme, Alte und Waisenkinder. Viele Reiche und Mächtige fühlten sich jedoch von ihm bedroht und provoziert, und sie wurden später zu seinen Gegnern und Feinden. Selbst Chadidscha mußte ertragen, daß sich ihre Freundinnen und Bekannten immer mehr von ihr abwandten und den Kontakt mit ihr gänzlich abbrachen. Jedoch stand Chadidscha ihrem Mann voll und ganz zur Seite. War er in Bedrängnis und Schwierigkeiten, so sprach sie ihm mit tröstenden Worten gut zu und gab ihm Hoffnung, daß er sein hohes göttliches Ziel gewiß erreichen werde. Und kam er, verspottet, verlacht, belästigt und gequält nach Hause, so umgab sie ihn mit ihrer Liebe und Fürsorge. Sie gab ihm Kraft und Energie. Auch in Krisensituationen und selbst bei den schwersten Problemen, denen er sich bisweilen gegenüber sah, beriet er sich mit ihr.Muhammad, der Zuverlässige10 Jahre nach der Heirat Hz. Muhammads (s.a.s.) mit Hz. Chadidschaa wurdeMekka von einemstarken Unwetter heimgesucht, und die Kaaba wurde dabei zerstört. Die verschiedenen Stämme der Kureisch beschlossen, die Kaaba gemeinsam wieder aufzubauen. Aber gegen Ende des Wiederaufbaus kam es zu Streitigkeiten , ja fast zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen ihnen, weil jeder Stamm für sich die Ehre haben wollte, den schwarzen Stein „Hagar al aswad“, ein Meteorit, an seinen Platz zu setzen. Da machte ein kluger Mann unter ihnen den Vorschlag, einen Schiedsrichter zu wählen. Und derjenige sollte Schiedsrichter sein, der als erster durch das Tor der „Masdched al Haram“ kam (so heißt das Gotteshaus, in deren Innenhof die Kaaba liegt).Als erster trat ein junger Mann ein, und alle waren froh und einverstanden mit ihm, denn es war Muhammad (s.a.s.). Dieser breitete nun seinen Aba auf dem Boden aus und legte den Stein in seine Mitte. Dann forderte er die Ältesten jedes Stammes auf, das Tuch zu fassen und den Stein an seine Stelle zu bringen. Muhammad selbst setzte den wieder an jenen Platz, wo er heute noch gesehen werden kann.Zu jener Zeit war Hz. Muhammad (s.a.s.) 35 Jahre alt und noch nicht zum Propheten ernannt worden. Er war jedoch wegen seiner außergewöhnlichen Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit bekannt, so daß man ihn „Muhammad, den Zuverlässigen“ („Muhammad al Amin“) nannte. (s. auch Kap. „Muh. als Hirte“). Die Leute gaben ihm wertvolle Gegenstände zur Aufbewahrung, und wenn sie es wünschten, gab er sie heil und unversehrt an ihre Besitzer zurück. Wenn jemand Probleme hatte, so ging er zu Muhammad und fragte ihn um Rat. Oder gab es Streitigkeiten zwischen zwei Parteien, so wurde Muhammad hinzugezogen, um den Schiedsspruch zu sprechen.

Mohammad und Chadidscha

Mohammad und Chadidscha

Zeitalter der FinsternisMuhammad (s.a.s.) wuchs in Mekka heran, der blühenden , reichen und bekannten Handelsstadt. Die Lage der Menschen war jedoch bis auf wenige schlecht. Die meisten von ihnen dachten nur an sich selbst, an ihre Familien und an ihren Stamm, jeder wollte so reich werden wie nur möglich. Kaum einer betrachtete es als eine Notwendigkeit, den Armen zu helfen, Kranke zu pflegen, für einsame Leute oder Waisenkinder zu sorgen oder nur ehrliche Geschäfte zu machen. Mit ihrem Götzendienst rechtfertigten die Reichen ihr schlechtes Benehmen und die Unterdrückung der Menschen. Sie glaubten ja auch nicht daran, daß sie nach ihrem Tode von Allah (t. a.) zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Viele reiche Mekkaner gebrauchten ihr Geld für Zins- und Wuchergeschäfte, wodurch sie selber wohl reicher, aber die Armen immer ärmer wurden.Außerdem entbehrten die Frauen in jener Zeit offiziell sämtliche Rechte. Viele Männer ärgerten sich über die Geburt einer Tochter, sie empfanden es als Schmach und Schande. In manchen Stämmen ermordeten die Väter ihre kleinen Töchter, indem sie diese lebendig in den Wüstensand eingruben.Aber es gab auch in dieser Zeit einige wenige Familien, welche die Anbetung der Götzen ablehnten, die Unterdrückten verteidigten und die Bedürftigen unterstützten. Zu diesen Familien gehörten sowohl die Familie des Propheten als auch die Familie Chadidschas. Der Vater Chadidschas leistete bereits Widerstand gegen Tubba, den Herrscher von Jemen, als dieser beschloß, den schwarzen Stein „Hagar ul Aswad“ in der Wand der Kaaba nach Jemen bringen zu lassen. Durch seinen Kampf und seinen engagierten Einsatz verzichtete Tubba schließlich auf sein Vorhaben und beließ den heiligen Stein schließlich an seinen Platz.ChadidschaChadidscha war in der damaligen Gesellschaft eine sehr angesehene Persönlichkeit, reich, selbständig, aktiv und unabhängig denkend. Sie setzte sich über Normen der Gesellschaft hinweg und tat nur, was ihr richtig erschien. So ließ sie die Gelder ihrer zwei verstorbenen Ehemänner nicht, wie es damals üblich war, ruhen oder nutzte sie zu Zins- und Wuchergeschäften, sondern sie setzte sie ein, um rechtmäßige Handelsgeschäfte zu machen. Dadurch konnte sie ihr Vermögen noch vergrößern. Sie stellte ehrliche Leute ein, und sie führte mit ihnen ein blühendes Handelsunternehmen.Die Zeit der Heirat von Muhammad und ChadidschaAus der Geschichte wissen wir, daß Chadidscha von Gelehrten ihrer Zeit erfahren hatte, daß Muhammad (s.a.s.) der letzte Prophet sein würde. Dieser erregte in Mekka immer wieder großes Aufsehen durch seine absolute Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. So verkaufte Muhammad einmal ein Kamel. Als der Käufer das Tier wegführte, sah Muhammad, daß es lahmte. Sofort rief er den Mann, gab ihm sein Geld zurück und nahm das Kamel wieder mit nach Hause. Chadidscha bat Muhammad (s.a.s.), die Leitung und Verantwortung ihrer Handelskarawanen zu übernehmen. Auf seinen Reisen wurde Muhammad begleitet von „Maysarah“ , dem Sklaven Chadidschas. Muhammad behandelte Maysarah wie einen guten Freund, und dieser berichtete Chadidscha von dessen Freundlichkeit und hervorragendem Verhalten auf den Reisen. Nun war sich Chadidscha sicher, daß Muhammad jener Ersehnte war, auf den sie gewartet hatte. Viele Heiratsanträge der reichen und adeligen Männer Mekkas hatte sie abgelehnt. Doch in bezug auf Muhammad war sie nicht nur gern bereit, sondern sie selbst war es, die ihm den Vorschlag zur Ehe überbringen ließ. Sie selbst bestimmte auch die Morgengabe aus ihrem eigenen Vermögen.Auch Muhammad (s.a.s.) war gern zu einer Ehe mit Chadidscha bereit, denn auch er wußte von ihren außergewöhnlichen Eigenschaften, ihrem Mut und ihrem aufrichtigen Charakter. Muhammad (s. a. s.) war elternlos, ohne eigene Familie und fühlte sich oft einsam. Er war damals 25, Chadidscha wahrscheinlich 40 Jahre alt. (Die Geschichtsschreibung gibt auch 28 Jahre an).Durch die Ehe mit Chadidscha wurde Muhammad (s.a.s.) ein wirkliches Zuhause gegeben. Mit ihr hatte Muhammad eine warmherzige, treue und liebevolle Lebensgefährtin gefunden, die ihn stütze, beriet und ihm zur Seite stand in guten und schweren Tagen. Sie war die erste Frau, die später nach seiner Ernennung zum Propheten, seine Einladung zum Islam annahm. Der Prophet betonte: „Chadidscha ist eine der besten Frauen der Ummah“. Jedes Mal, wenn der Engel Gabriel zum Propheten hernieder kam, sagte er: „Richte Chadidscha Gottes Gruß aus! Sag ihr, Gott hat für dich ein wunderschönes Schloß im Paradies bereitgestellt“: 

MOHAMMAD ALS HIRTE

MOHAMMAD ALS HIRTE

In seiner Jugend verbrachte Muhammad (s.a.s.) viel Zeit beim Hüten von Schafen und Ziegen. Er fühlte, daß es sehr gut für ihn war, die Tiere in der Weite des Tages und in sternenfunkelnden Nächten zu beaufsichtigen und allein zu sein in der freien Natur, weg von der lauten und geschäftigen Stadt Mekka. In dieser Zeit konnte er viel über sich und die Welt nachdenken. Er versuchte, die Himmel zu durchdringen und suchte nach Erklärungen für die Wunder der Natur um ihn herum. Er erkannte, daß sich die Welt außerhalb von ihm nicht unterschied von der Welt in ihm. Z .B. brauchte seine Lunge die Luft zum Atmen, ohne sie konnte er nicht am Leben bleiben. Er spürte die belebende Wirkung des Sonnenlichtes, und er erlebte das Mondlicht als Führung in der Nacht. Er sah auch, daß dies in Beziehung stand zu den Himmelskörpern und dem unergründlichen Firmament. Die Himmelskörper wirken nach einem gut durchdachten System zusammen, sodaß weder die Sonne den Mond, noch die Nacht den Tag überdeckt.Muhammad (s. a. s.) versuchte also die Naturgesetze zu durchdringen und zu verstehen, nach welcher Ordnung sie funktionierten. Deshalb dachte er nie an viel Geld oder Gut. Er war mit dem Nötigsten zufrieden, denn ihm waren andere Dinge wichtiger.Einmal sagte er: „Wir essen nur, wenn wir Hunger haben, und wenn wir beim Essensitzen, essen wir niemals soviel, daß wir ganz satt sind.“Glücksgefühle sind frei! Man braucht dafür kein Geld. Man braucht nur seinen Blick nach Innen wenden, das eigentliche Wesen, den Kern des Daseins zu ergründen versuchen.Muhammad (s.a.s.) war glücklich ein Hirte zu sein und er wollte nicht höher hinaus. Doch er sollte ein Hirte sein, dessen Seele sich vereinigen sollte mit dem gesamten Universum: ein Hirte, der die Menschen zum Rechtschaffenen und zu ewiger Glückseligkeit führt !Die Beschäftigung mit dem Sein kann den Menschen in der Tat abbringen von sinnlosem Tun und blinder Leidenschaft. Allah segnete Muhammads Tun zweifach: Einerseits entwickelten sich die Tiere unter seiner Fürsorge prächtig. Auch schien ihnen das Gras, durchsetzt mit den besten, nahrhaftesten Kräutern geradezu entgegen zuwachsen, denn sie wurden kräftiger, glänzender und seidiger im Fell. Und warf eine Geißenmutter Junge, dann waren es zwei, selbst manchmal drei Zicklein. Andererseits vermochte Muhammad (s.a.s.) niemals gegen seine innere, gottbegnadete Natur zu handeln.AL AMINSeit frühester Kindheit war Muhammad (s. a. s.) bekannt als „Al-Amin“, was der „Vertrauenswürdige“ heißt, denn er war aufrichtig und erzählte niemals Lügen. Er hielt seine Versprechen immer ein, war freundlich und gerecht und hielt anvertrautes Gut in Ehren. Geheimnisse barg er tief in seinem Herzen und ein Freund konnte seiner Treue sicher sein. Deswegen vertrauten die Leute auch gerne etwas an. Selbst nach der Hidschra, der Auswanderung des Propheten nach Medina, blieb Imam Ali (a. s.) noch mehrere Tage in Mekka zurück, um den Mekkanern ihre Güter zurückzugeben, die sie dem Gesandten anvertraut hatten.