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Was
ist Aschura? Ashura,
das ist der 10. Tag im Monat Moharram. Der Abend von Ashura im Jahre
61 nach Hedschra bringt in der Wildnis von Kerbala unsagbares Leid über
die Frauen und Kinder der Familie unseres Propheten.
Die
Soldaten von Omar ibne Sa'ad schlagen die Köpfe von den toten Körpern
unserer heiligen Märtyrer ab und spießen sie auf Lanzen auf. Die
Feinde des Islam feiern laut den Sieg über den Enkel des Propheten
Mohammad (sa).
Sie
zünden das Lager von Imam Hossein (as) an. Sie plündern die Kinder
und Enkelkinder von Hazrat Fatima (as). Sie reißen all ihre
Habseligkeiten an sich. Sie entreißen den Frauen sogar die Tücher,
die für die Bedeckung ihres Kopfes notwendig sind.
Die
Frauen und die Kinder fliehen von einem Zelt ins andere, während die
feindlichen Soldaten ein Zelt nach dem anderen anzünden. Hazrat
Zainab (as) holt den kranken Ali Zainul-Abedin (as) aus dem Bett, das
schon in Flammen steht und bringt ihn aus dem Flammenmeer hinaus in
Sicherheit. Sie kümmert sich auch um alle anderen Kinder, die
schreckliche Angst haben. Sie ruft alle zusammen und zählt sie; es könnten
ja einige Buben und Mädchen zu weit vom Lager weggelaufen sein, das
in Flammen steht. Zu ihrem Entsetzen stellt sie fest, daß tatsächlich
jemand fehlt: Sukeina, die dreijährige Tochter ihres Bruders, ist
nicht da. Hazrat Zainab (as) sucht nach ihr, überall, aber sie kann
sie nicht finden. Plötzlich hat sie eine Idee, und sie eilt zum
Schlachtfeld, zum kopflosen Leichnam ihres Bruders Imam Hossein (as),
und tatsächlich! Sukeina sitzt neben dem geköpften Körper ihres
geliebten Vaters und weint.
"Vater!
Mein lieber Vater, warum hörst du mich nicht, und warum sprichst du
nicht mit mir? Bitte, steh doch auf, und schau, unsere Zelte stehen in
Flammen."
Aber
Imam Hossein (as) kann ihr nicht mehr antworten. Hazrat Zainab (as)
nimmt die unglückliche Sukeina in ihre Arme, drückt sie ganz fest an
ihr Herz und trocknet ihre Tränen. Dann bringt sie das verängstigte
kleine Mädchen zu den anderen Kindern, denen noch immer Angst und
Leid ins Gesicht geschrieben stehen.
Als
die Nacht hereinbricht, ist das Lager völlig niedergebrannt. Der
Halbmond an diesem Abend ist Zeuge von den qualmenden Zeltresten und
von der Verwüstung von Imam Hosseins (as) Lagerplatz, und der
Halbmond ist auch Zeuge von den Freudensbezeigungen der Feinde und vom
Fest, das Omar ibne Sa'ad in seinem Lager nach dem Sieg über Imam
Hossein (as) gibt.
Hazrat
Zainab (as) hat inzwischen alle Frauen und Kinder versammelt, um die
Nacht in der Sandwüste von Kerbala gemeinsam zu verbringen.
Die
Frau des Märtyrers Hurr und einige andere Frauen schaffen im Schutz
der Nacht etwas Essen und etwas Wasser für die Notleidenden heran.
Sie haben Schmerzen. Sie waren gequält und gedemütigt worden. Wer könnte
in einer solchen Zeit an Essen denken? Wer könnte da noch Hunger
haben? Aber, um Hurrs Frau nicht zu kränken, nehmen sie ein paar
Bissen und etwas Wasser zu sich.
Hazrat
Zainab (as) kümmert sich liebevoll um diese verwaiste und ausgeplünderte
Schar, wie es ihr Bruder Imam Hossein (as) ihr aufgetragen hatte.
Sie
legen sich auf dem nackten Sand schlafen. Nur Hazrat Zainab (as)
bleibt wach. Sie findet eine zerbrochene Lanze, und sie beschützt
damit die Frauen und Kinder, darunter ihren kranken Neffen, unseren
vierten Imam, Imam Zainul-Abedin (as).
Während
Hazrat Zainab (as) ihrem Bruder diesen Dienst erweist, hat sie eine
Vision: Sie sieht ihren Vater, Imam Ali (as), auf einem Rappen
entgegenkommen. Aber sie erkennt ihn zunächst nicht. Sie denkt, der
Reiter ist ein Soldat aus dem feindlichen Lager, und mutig und
unerschrocken befiehlt sie ihm, dem niedergebrannten Lager nicht zu
nahe zu kommen, doch der Reiter hört nicht. Er reitet weiter, und als
er neben Hazrat Zainab (as) hält, bleibt sie nicht ängstlich stumm.
Sie sagt zum fremden Reiter mit fester Stimme: "Keinen Schritt
weiter, die Frauen und Kinder sind todmüde eingeschlafen, bitte störe
sie nicht. Wenn du in der Absicht gekommen bist, uns noch einmal
auszuplündern, dann komm morgen Früh wieder, obwohl, Allah weiß,
wir besitzen nichts mehr."
Plötzlich
erkennt Hazrat Zainab (as) im blassen Mondlicht das Gesicht ihres
Vaters. Und zum ersten Mal seit Hazrat Zainab (as) Medina verlassen
hat, zeigt sie ihre Gefühle. Bis jetzt hat sie nicht geweint, aber
nun rinnen die Tränen in Strömen über ihre anmutigen Wangen. Sie
schlingt ihre Arme um ihren Vater und schluchzt noch eine lange Zeit.
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