Islamische Revolution im Iran

 
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

"Wahrlich, Gott ändert die Lage eines Volkes nicht, ehe sie (die Menschen) nicht das ändern, was in ihnen ist!" (Qur'an 13:12)

Iran war nie eine Kolonie im klassischen Sinne; seit Anfang der sechziger Jahre gehörte das Land auch nicht mehr zu den "Entwicklungsländern", seine Geschichte während des letzten Jahrhunderts kann aber in vielen Bereichen als für die "Dritte Welt" charakteristisch bezeichnet werden.

Spielball der Großmächte

Iran verlor zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach militärischen Auseinandersetzungen große Gebiete an Russland. Die herrschende Khadjaren-Dynastie wurde zur Marionette der Siegermacht. Seit 1850 betrieben Engländer und Russen über Konzessionen eine Strategie der "friedlichen Eroberung" iranischer Bodenschätze. Als sich das Volk nach dem Zweiten Weltkrieg politisch organisierte, um seine Interessen gegenüber dem Ausland, d.h. vor allem die Nationalisierung des Erdöls durchzusetzen, inszenierten die USA 1953 einen Putsch gegen die Regierung Mossadeghs. Sie holten den letzten Schah aus seinem kurzen Exil zurück und setzten ihn als ihren "Geschäftsführer" ein. Die USA waren im Gegensatz zu den Engländern nicht mehr ausschließlich an den Rohstoffen interessiert, sondern zusätzlich bestrebt, möglichst viele Iraner zu Konsumenten zu machen, was nur durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen möglich war.

Die "Weiße Revolution" wurde ins Leben gerufen. Dazu gehörte eine sogenannte Agrarreform, die die Unabhängigkeit des Landes auf dem Nahrungssektor beendete, ebenso wie der Aufbau einer von Einfuhren ausländischer Ersatzteile abhängigen Montageindustrie. Der grundlegendste Teil dieser gezielten Umformung der iranischen Gesellschaft war allerdings die Entwurzelung des Volkes von seiner islamischen Identität. Der Islam sollte nicht wie schon vorher in der Geschichte das Volk zum politischen Engagement bewegen.

Geistlichkeit gegen Unterdrückung

Trotz brutalster Repressionen des Schahregimes klärte die islamische Opposition die Bevölkerung über Hintergründe ihrer Rückständigkeit, ihrer politischen Entmündigung und kulturellen Entfremdung auf. Der massive Widerstand konnte von der Armee und vom berüchtigten Geheimdienst SAVAK zwar vorübergehend unter Kontrolle gebracht werden, setzte sich jedoch in zahllosen Aktionen fort, eskalierte 1978 in landesweiten Protestkundgebungen und führte dann am 11. Februar 1979 schließlich zum Durchbruch. Die Islamische Revolution zeigte der Welt, daß ein in seinen Zielvorstellungen einiges Volk selbst von einem Gewaltregime, das mit der größten Militärmacht der Welt verbündet ist, nicht zu besiegen ist. Sie hat ihren Sieg letztlich ihrem nichtmaterialistischen Gehalt und ihrer von der Mehrheit anerkannten geistigen Führerschaft zu verdanken. Kurz nach dem Sieg wurden die Beziehungen zu rassistischen Regimen wie Südafrika und Israel abgebrochen. Alle ausländischen Militärberater wurden des Landes verwiesen. Die Islamische Republik trat aus dem Cento-Pakt aus und schloss sich der Bewegung der Blockfreien an. Nicht wie im Falle anderer Revolutionen, bei denen die Macht über Jahre hinweg in Händen eines sogenannten Revolutionsrates liegt, konnte sich das iranische Volk 47 Tage nach dem Sieg der Revolution über ein Referendum für die künftige Staatsform entscheiden. Am 3. August 1979 wurde das Volk zur Wahl der verfassunggebenden Versammlung aufgerufen. Am 21. November 1979 wurde durch einen Volksentscheid über die neue Staatsverfassung entschieden. Am 7. Januar 1980 fanden dann zum ersten Mal in der Geschichte freie und öffentliche Parlamentswahlen statt. Parallel zu dem durchweg korrupten Militär- und Verwaltungsapparat aus der vorrevolutionären Ära entstanden ganz spontane, vom Volk getragene Organisationen, die eine rasche Bewältigung der jahrzehntelang vernachlässigten Bedürfnisse des Volkes anstreben. Auf Initiative Imam Khomeinis wurden Revolutionskomitees, Aufbauorganisationen wie "Djihad-e-Sazandegi" für die Landbevölkerung, Stiftungen für die Sozialschwachen und Wohnungsbauorganisationen gegründet, Alphabetisierungskampagnen etc. eingeleitet. Unter tatkräftiger Unterstützung unzähliger Freiwilliger in einem Zeitraum von knapp fünf Jahren wurden mehr als 5.000 Dörfer mit Strom und fließendem Wasser versorgt, über 5.000 Brunnen gebohrt, viele Krankenstationen eingerichtet und mobile Ärzteteams aufgestellt. In Fabriken stehen den Arbeitern Lese- und Schreibkurse zur Verfügung, deren Besuch als bezahlte Arbeitszeit angerechnet wird. Für den Wiederaufbau der Landwirtschaft wurden allein im Jahre 1983/84 zinslose Kredite von umgerechnet 300 Millionen Mark an 30.000 Bauern bzw. landwirtschaftliche Kooperativen vergeben. -

Bedrohung für die Großmächte

Mit dem Sieg der Islamischen Revolution musste der Westen auf eines seiner wichtigsten Marionettenregime, das bis dahin die Rolle des Gendarmen in der Region gespielt hatte, verzichten. Wichtige Militärbasen und Horchposten sowie reiche Erdölquellen und wichtige Kupferlagerstätten gingen verloren. Das iranische Volk hatte sein Schicksal in eigene Hände genommen. Gerade diese Selbstbestimmung, die es sich unter großen Opfern erkämpft hatte, misshagt dem Westen und Osten am meisten. Da nun diese Revolution auch in anderen Ländern Schule machen könnte, bedeutet sie eine existenzielle Bedrohung für Ost und West gleichermaßen. Die Religion, "das Opium des Volkes" erwies sich als dynamische Kraft für den Aufstand eines entrechteten Volkes gegen eine Weltmacht.

Die Supermächte mussten unter allen Umständen die Entwicklung der Islamischen Revolution in ihnen genehme Bahnen umlenken. Die Aufbaupläne der neu gegründeten Republik sollten vereitelt werden. Gleich in den ersten Wochen nach dem Sieg der Revolution stiftete man Unruhen in Kurdistan und Westazerbeidjan und begann mit der Liquidierung führender Persönlichkeiten wie Ayatollah Mofateh und Ayatollah Motaheri. Als Antwort auf eine 25-jährige Geschichte amerikanischer Intervention in inner-iranische Angelegenheiten führte die Entwicklung am 4. November 1979 zur Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran. Am 12. Dezember 1979 verhängten die USA einen Wirtschaftsboykott, dem sich europäische Staaten wenig später anschlossen. Am 25. April 1980 führten amerikanische Spezialeinheiten eine Intervention durch, die in der Wüste von Tabas im Sandsturm unterging. Am 9. Juli wurde die Verschwörung von Nowdjeh aufgedeckt, nach der das Theologiezentrum in Qum bombardiert werden sollte. Fünf weitere rechtzeitig aufgedeckte Putschversuche folgten. Die Gegner der Islamischen Revolution setzten nun alle ihre Hoffnungen auf einen Blitzkrieg. Am 22. September 1980 wurden die fünf wichtigsten Flughäfen des Landes, die Ölraffinerien in Abadan, Wohngebiete in Teheran, Tabriz und fünf weiteren Städten von irakischen Kampfflugzeugen angegriffen. Innerhalb weniger Wochen marschierten Tausende von Soldaten, unterstützt von Hunderten von Panzern und Kampfflugzeugen ins Land ein und besetzten über 20 000 Quadratkilometer Land. Die Großmächte setzten zudem auf den damals noch amtierenden Staatspräsidenten und zugunsten der irakischen Aggressoren. Am 23. Juni 1981 wurde Bani Sadr abgesetzt. Noch in derselben Woche wird die Zentrale der Islamisch Republikanischen Partei in die Luft gesprengt, ein Anschlag, dem 72 Regierungsvertreter und Parlamentarier, darunter Der 1. Richter des Landes, zum Opfer fallen. Am 30. August 1981 kommen der Staatspräsident Rajai und der Ministerpräsident Dr. Bahonar bei einer Bombenexplosion ums Leben. Aber selbst nach dem Tod zahlloser Menschen änderte sich nichts an dem einmal eingeschlagenen Weg der Islamischen Revolution. Die Gegner setzten alle Kraft in einen schrecklichen Straßenterror, in Sabotageakte und Bombenanschläge, denen bislang über 2.300 unschuldige Zivilisten und mehr als 250 Politiker zum Opfer gefallen sind. Durch den dem Iran aufgezwungenen Krieg beabsichtigen die Supermächte Mißmut und Verzweiflung in der Bevölkerung hervorzurufen.

Ost und West setzen auf eine Karte

Nun herrscht seit knapp fünf Jahren Krieg im Iran. Zigtausende junger Iraner haben bei der Verteidigung ihres Landes ihr Leben verloren, weit mehr Jugendliche müssen ihr Leben als Krüppel fortsetzen, viele Städte und Dörfer sind einzige Trümmerhaufen, die für das iranische Volk vitale Lebensader, der Ölexport, ist angeschlagen. Der Krieg hat nun seit einiger Zeit brutalste Formen angenommen: die Zivilbevölkerung wird in noch verstärkterem Maße als zuvor angegriffen und Opfer schrecklicher Bombenangriffe. Der Aggressor Irak setzt nun - allein in diesem Jahr waren es 12 Fälle - Senfgas, Zyanid und andere Nervengase ein. Internationale Organisationen und die Weltöffentlichkeit schweigen! Der Iran hat immer wieder seinen Willen zum Frieden bekundet. Er hat seine Forderungen wiederholt zum Ausdruck gebracht: Zahlung der Reparationskosten, Verurteilung des Aggressors vor einem internationalen Tribunal und der Abzug aller fremden Streitkräfte. Das iranische Volk sehnt sich nach einem dauerhaften Frieden und wünscht sich nichts weiteres als das Recht, seine Gesellschaftsordnung ohne fremde Eingriffe im Einklang mit den islamischen Prinzipien aufbauen zu können.

 


 

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