Gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit

 
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

"Die nach Gottes Wohlgefallen streben, leitet Er auf die Wege des Friedens." (Qur'an 5,16)

Salamun alaikum - Frieden sei mit Euch!

Es ist an der Zeit, daß gläubige Menschen unterschiedlicher Konfessionen näher ins Gespräch kommen. Mehr denn je sehen wir uns angesichts einer bedrohlichen Weltsituation zum gemeinsamen Handeln herausgefordert. Wir sind eine Gruppe von Muslimen aus Deutschland, Afghanistan, Iran, Irak, Libanon, Indonesien, Afrika und der Türkei. Wir haben uns zum Ziel  gesetzt, Anknüpfungspunkte zwischen Muslimen und Christen für ein gemeinsames Friedensengagement zu finden. Wir wollen versuchen, festsitzende Vorurteile, die noch immer zwischen den Religionen bestehen, abbauen zu helfen. Wahren Frieden kann es nur geben, wenn zwischen den Religionen Frieden herrscht. Wir sind uns auch im Klaren, daß Frieden - Salam - etwas Dynamisches ist, das immer wieder von Neuem von allen Menschen gesucht werden muss. Jeder Mensch strebt im Grunde nach "Frieden", denn er trägt einen göttlichen Spiritfunken in sich. Wir können unser Seelenkristall durch aufrichtigen Glauben und rechtes Handeln zum Erleuchten bringen, es aber auch überdecken, indem wir unseren Schöpfer vergessen und egoistischen Neigungen nachgehen. Wir Menschen sind willensfreie Pendel zwischen Aufstieg und Niedergang, Gottesnähe und Ich-Zufriedenheit, Frieden und Unheil.

Frieden durch Hingabe

Unsere Zeit ist geprägt von einer rein materialistischen Weltanschauung. Die Negation der spirituellen Werte hat die Menschen in eine gefährliche Sackgasse geführt: schwindelerregendes Wettrüsten auf Erden und im Weltraum, ungerechte Weltwirtschaftsanordnung, Umweltvernichtung, Überfluss und Hunger..... sind Ausdruck der Gottesferne des heutigen Menschen - vor allem seiner verantwortlichen politischen Systeme. Doch stehen wir heute an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter. Viele Menschen beginnen, den wahren Zweck ihres Daseins auf dieser Erde zu begreifen. Sie suchen verstärkt nach Lösungen, nach einem Weg aus dem materialistischen Dilemma. Unser Weg ist "Islam", d.h. Hingabe, Frieden. Wir Muslime streben nach Frieden durch "Hingabe an den einen Gott". Frieden ist Versöhnung mit Gott, eine ständige Aufforderung Gottes an uns alle, unser Leben in Einklang mit Seinen Geboten zu bringen. Wahrer Frieden entspringt der Dankbarkeit gegenüber dem allgegenwärtigen Gott.

"Wahrlich, im Gedenken an Gott finden die Herzen Frieden." (Qur'an 13,28)

Erst innerer Frieden kann zu äußerem Frieden führen. Menschen, die die Verbindung zu Gott aufrechterhalten, sind zu friedlichen Beziehungen gegenüber ihren Mitmenschen fähig.

Frieden durch Gerechtigkeit

Frieden ist nur auf der Grundlage von Gerechtigkeit möglich. Die Schaffung von Gerechtigkeit ist das Ziel aller Propheten gewesen:

"Wahrlich, Wir (Gott) sandten unsere Gesandten mit klaren Beweisen und mit ihnen das Buch und die Waage herab, auf daß die Menschen Gerechtigkeit verwirklichen." (Qur'an 57,25)

Die gläubigen Menschen sollen ihre Egoismus überwinden und stets für die Gerechtigkeit eintreten:

"O ihr Gläubigen, seid standhaft in der Gerechtigkeit und wahrhafte Zeugen vor Gott, sei es wider euch selbst, eure Eltern und nahen Verwandten, Arm oder Reich; Gott ist beiden näher als ihr. Folgt nicht euren Begierden, damit ihr gerecht handeln könnt. Wann ihr (die Wahrheit) auch verhehlt oder ihr ausweicht, so hat Gott doch bestimmt Kunde darüber, was ihr tut" (Qur'an 4,135)

Die Verwirklichung von Frieden in Gerechtigkeit ist nur auf der Basis einer gerechten politischen Ordnung oder durch vereinten Widerstand gegen Unrecht und Tyrannei denkbar. Frieden ist unteilbar! Frieden kann und darf sich daher nicht in einer vordergründigen Abwesenheit vom Krieg (in Mitteleuropa) erschöpfen. Frieden (Waffenruhe) für Europa zu fordern, aber über die vielen Kriege in der übrigen Welt zu schweigen, wäre unglaubwürdig. Wenn Frieden, dann muss er für alle gleichermaßen gelten. Die Situation in den Industrieländern Europas lässt sich nicht mit den Lebensbedingungen in der sogenannten dritten Welt vergleichen. Dort fristen mehr als eine halbe Milliarde Menschen ein Leben unter dem Existenzminimum. Für sie ist der Weg nach Frieden verbunden mit dem täglichen Kampf ums Überleben. Das Wachstum der Reichen und die Not der Armen sind eng miteinander verknüpft: Millionen von Hungertoten sind  alljährlich trauriger Bestandteil der von den Industriestaaten kontrollierten weltweiten "Ungerechtigkeitsordnung". Die Reichen bestimmen die Rohstoffpreise, ihre Banken erpressen Wucherzinsen für "Entwicklungs"kredite, von ihnen gestützte Regime halten ihre Völker nieder, ihre Waffenexporte füttern zahlreiche Stellvertreterkriege, auch in der islamischen Welt:

- der Golfkrieg wird durch westliche und östliche Militär- und Wirtschaftshilfe an das irakische Regime aufrechterhalten. Dem irakischen Baath-Regime, das den Krieg im September 1980 begonnen hat, zahlreiche Städte dem Erdboden gleichmachte und immer wieder unbeteiligte Handelsschiffe im Golf angreift, wird dennoch eher Sympathie von den hiesigen Medien entgegengebracht, gilt es doch die "fanatischen Schiiten" in ihre Schranken zu verweisen. Dass aber die Iraner ihr Land und ihre religiöse Identität zurecht verteidigen könnten, zieht nach all der einseitigen Berichterstattung kaum jemand in Erwägung. - Libanon wird ebenso zum Tummelplatz "fanatischer Muslimorganisationen" erklärt, wie viel Tausende von Muslimen aber im Süden Libanons von den Israelis getötet und verschleppt worden sind, ist für die Medien weniger spektakulär. - Afghanistan: die russische Invasion wird zwar verurteilt, doch steht man hierzulande vor einem unbegreiflichen Phänomen: Was ist das für eine Kraft, die die Muslimischen Mudjahedin an ihrem tapferen Widerstandskampf gegen die Übermächtigen Sowjets festhalten lässt? Mit diesen drei Beispielen wollen wir zum Ausdruck bringen, daß ein glaubwürdiges Bemühen um Frieden und Gerechtigkeit ein von Feindbildern befreites, globales Denken voraussetzt.

Gemeinsames Engagement

Nur wenn wir Muslime und Christen folgendes realisieren, könnte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit im Dienste des Friedens entwickeln: - Gesellschaft menschlicher gestalten: dazu bedarf es dem Andersartigen gegenüber Toleranz und Achtung. Vor allem sollten wir kulturelle und religiöse Identität zugestehen und die Menschen als gleichwertige Mitglieder einer großen Familie anerkennen: - Zusammenhänge begreifen zwischen der Armut Millionen von Menschen und dem "Wohlstand" und "Fortschritt" in den Industrieländern; das Verlangt ein gesteigertes Bewusstsein für die Probleme der Menschen in den Ländern der "Dritten Welt"; - Eurozentrismus überwinden, d.h. uns nicht länger im Mittelpunkt des Weltgeschehens sehen. Wir dürfen die Forderung nach Frieden und Gerechtigkeit nicht auf unseren Lebensraum begrenzen. Denn gerade dort, wo Unfrieden mit militärischen Mitteln gestiftet wird, müssen wir aktiv für Frieden eintreten. - Feindbilder abbauen, die uns täglich von den Massenmedien geliefert werden; Feindbilder - Vorraussetzung für die Sicherung machtpolitischer Interessen - schüren Hass, trennen die Völker und verhindern Verständigung. - Widerstand unterstützen gegen Unterdrückung, Ausbeutung und kulturelle Überfremdung; Befreiungsbewegungen dürfen nicht länger mit dem Argument des totalen Gewaltverzichts abgetan werden. Wir müssen endlich erkennen, daß das Hinnehmen einer Aggression selbst eine Form der Aggression ist. Im Qur'an heißt es dazu:

"Unterdrückt nicht und lasst euch nicht unterdrücken!" (Sura 2,279)

Mit Unterdrückern kann und darf es daher keinen Frieden geben. - Waffenexporte verhindern. Die eigentliche Nutznießer militärischer Konflikte sind internationale Rüstungskonzerne. Durch gezielte Waffenlieferungen sichern sich die Großmächte ihren politisch-wirtschaftlichen Einfluss in der Welt. - Umweltvernichtung beseitigen. Die Rettung der Natur ist nur durch eine tiefgreifende Veränderung unseres Bewusstseins und Verhaltens möglich. Wir sind nicht die Herren dieser Erde. Gott hat uns auf seine Erde gesetzt, um sie zu bebauen und zu bewahren, nicht um sie zu zerstören. - Verantwortung moralischen Werten unterstellen. Die Trennung politischer Entscheidungsbefugnis von ethischen Empfinden bzw. religiösem Bewusstsein hat maßgeblich zur weltweiten Krise beigetragen. Politiker sehen sich nur noch "Sachzwängen" unterworfen und längst nicht mehr ihrem Gewissen. Nur wenn Religion - hier ist der aufrichtige Glaube und keine Rechtfertigungsideologie der Mächtigen gemeint - und Politik eine Einheit bilden, können sie dem Wohl aller Menschen dienen und ungerechte Machtstrukturen verhindern.

Die Menschheit gleicht diesem Atom, dessen Spaltung eine verhängnisvolle Katastrophe auslöst, die wir nur gemeinsam in Toleranz und Achtung verhindern können. Lasst uns daher Brücken bauen für eine neue Zeit des Friedens, der Einheit und des Glaubens.


 

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