Charakter und Verhalten

Professor Mesbah Yazdi

Was Bedeutet "Charakter" und wie entsteht er?

Bevor wir über die bedeutende Rolle des Charakters und die Wege zur Trennung der menschenwürdigen Eigenschaften von denen, die ihm nicht gebühren, durchleuchten und bevor wir über die charakterliche Läuterung im Islam sprechen, muss zunächst einmal dargestellt werden, was der "Charakter" eigentlich ist und wie er zustande kommt.

Den Handlungen, die der Mensch willentlich unternimmt, gehen andere vorbereitende voraus, die nach außen hin zu erkennen sind. Jedoch auch innerlich werden Handlungen durch eine Reihe gedanklicher Schritte und auf Erlerntem beruhenden Erwägungen in die Wege geleitet.

Nehmen wir als Beispiel jemanden, der seinen Bekannten besuchen will: Er muss nicht nur sich körperlich in Bewegung setzen, in eine bestimmte Richtung gehen oder ein Fortbewegungsmittel benutzen, sondern er muss auch gedanklich sozusagen "eine Strecke zurücklegen". Mit anderen Worten - er müsste sich mit dem geistigen Auge das Treffen mit dem Bekannten vergegenwärtigen. Müsste sehen, welchen Nutzen hat es und diesen Nutzen abwägen mit dem Schaden, den er eventuell dabei auch nimmt, sowie dem Unrecht, das er vielleicht dadurch begeht. Kurz, auf einer seelisch -geistigen Waage zieht er den Vergleich und fasst seinen Entschluss.

Nutzen und Freuden, die mit einem bestimmten Vorgehen in Zusammenhang gebracht werden, und aufgrund derer wir uns für dieses Vorgehen entscheiden, können verschiedener Art sein. Können körperliche Form annehmen wie das Gefühl der Sättigung nach dem Essen, die empfundene Ruhe durch Schlaf oder auch die Kräftigung der Muskeln durch körperliche Betätigung. Auch geistige Vorstellungen z.B. die, in eine leitende Stellung zu gelangen, anderen vorangestellt und respektvoll behandelt zu werden, können zu einem bestimmten Verhalten stimulieren. Ebenso ein intellektueller Genuss, der in der Erkenntnis der Wahrheiten oder höherer geistiger Vervollkommnung liegt, die ein wissenschaftlicher Lehrgang und die ihm vorangehenden einleitenden Studien mit sich bringen können.

Jeder fasst aufgrund des eigenen Wissens einen Nutzen und Genusserfolg ins Auge und hält deren Erreichung für erforderlich. Somit liegt das Hauptmotiv für alle willentlichen Handlungen eben darin, dass der Handelnde zu der Überzeugung gelangt, einen bestimmten Nutzen und ein bestimmtes Genusserlebnis erzielen zu müssen.

Betrachten wir in diesem Zusammenhang eine Gruppe verschiedener Menschen, die sich über ein Studium Gedanken machen. Sie erwägen alle den Wert des Wissens und der Vorteile, die ihnen durch ein solches zugute kommen werden. Stellen diesen Vorzügen aber auch die Mühen und Anstrengungen gegenüber, die sie während dieser Ausbildung auf sich nehmen müssten, ebenso wie die entstehenden finanziellen Unkosten. Kurz, alle zeitlichen und örtlichen Umstände sowie sämtlicher auch nur eventueller Schaden oder Nutzen werden in Betracht gezogen.

Einer von diesen Personen, welche über einen Hochschullehrgang Überlegungen anstellen, misst dem intellektuellen Nutzen hohen Wert bei. In seinen Augen verlieren alle Mühen und Entbehrungen demgegenüber an Gewicht, und auf dieser Grundlage trifft er die Entscheidung, eine Ausbildung an der Universität zu beginnen.

Den nächsten lockt die für ihn besonders angenehme Vorstellung, später einmal den Respekt der anderen für sich zu gewinnen. Ihn lässt diese Aussicht den Entschluss zur Aufnahme eines Studiums fassen.

Ein Dritter hat materielle Gewinne und Freuden ins Auge gefasst, zu denen er mit Wahrscheinlichkeit durch das Studieren und durch das angeeignete Wissen gelangen wird.

Einem anderem wiederum entscheinen die Entbehrungen, die er während der Ausbildungszeit auf sich nehmen müsste, zu anstrengend. Er bevorzugt das Bequemlichere und gibt den Gedanken an ein Studium auf.

Wir beobachten somit einen Unterschied zwischen den getroffenen Entscheidungen und Verhaltensweisen der einzelnen und zwar ist selbiger wiederum in einem Unterschied hinsichtlich der Denkweise und der Erkenntnisstufe eines jeden zu suchen. Sie sind es, die mit dazu beitragen, dass in bestimmten Situationen die Beurteilung über Notwendigkeil einer Handlung verschieden ausfällt.

Solche geistigen Vorbereitungen gehen mehr oder weniger jeder Handlungsentscheidung voraus. Selbst bei den lebensnotwendigsten Bedürfnisbefriedigungen wie beim Essen und Trinken ist dem so, jedoch mit dem Unterschied, dass vorhandene Empfindungen erheblich bei den vorbereitenden Überlegungen zu einer Entscheidung beitragen und den Menschen schneller zu einer Entschlussfassung gelangen lassen. Existentielle Bedürfnisse und natürliche Triebe bestimmen hier die Marschroute und kürzen den komplizierten Pfad durch die Gedankenwelt ab. Das Geheimnis dieser beschleunigten geistigen Betätigung liegt darin, dass der Mensch sich über die Notwendigkeit der ins Auge gefassten Handlung im Klaren ist. Gespeicherte Erfahrung hat ihm - mehr als in manch anderen Fällen - den automatisch sich einstellenden Nutzen und Genussgewinn einer solchen Handlung bewiesen. Daher wird er, wenn die Notwendigkeit, eine bestimmte Handlung zu unternehmen, in allen Fällen und unter allen Umständen die gleiche ist, ohne Zögern diese Handlung auch in Angriff nehmen.

In vielen Fällen jedoch können innere Neigungen und Emotionen dem Menschen nicht bei einer Entschlussfassung dienlich sein - im Gegenteil - sie ziehen einen dichten Schleier vor die Vernunft und hindern ihn daran, die richtigen Überlegungen anzustellen. Das durch ein Gefühl entstandene Wunschverlangen steht manchmal im Widerspruch zur Vernunft, und da sich bei den meisten Menschen besonders in den Anfangsstadien ihres Lebens die Vernunft noch nicht stark genug herausgebildet hat und leicht unterliegt, erwidern sie eher den Forderungen der Gefühle als dem Verstand.

Ein Kind zum Beispiel fasst, wenn es hungrig ist und eine geliebte Süßigkeit vor sich sieht, sofort den Entschluss, diese zu verspeisen. Es achtet dabei nicht auf hiesige und jenseitige Schaden, die vielleicht der Verzehr einer solchen Süßigkeit mit sich bringt, und handelt, ohne seine Vernunft vor der Entscheidung zu Hilfe zu nehmen.

An dieser Stelle möchten wir die Feststellung einschieben, dass ein solcher kindlicher Zustand leider auch in nicht wenigen Erwachsenen weiter existiert, was für sich schon den Beweis für die Erforderlichkeit einer charakterlichen Läuterung und Erlangung besserer menschlicher Qualitäten liefert.

Jede Handlung, die der Mensch zum ersten Mal begeht, ob sie nun seinen Wünschen und Trieben sowie Emotionen entspricht oder auch ihnen zuwiderläuft, hinterlässt ihre besonderen Spuren in seinem Wesen. Die Tatsache, dass er schon einmal so gehandelt hat, bereitet ihn darauf vor, sich beim nächsten mal genauso zu verhalten und ganz offensichtlich führt der Mensch eine Handlung beim zweiten Mal leichter durch als beim ersten. Durch Wiederholung und zunehmende Häufigkeit einer bestimmten Aktion fährt sich dieser Ablauf immer mehr ein, bis er als eine Gewohnheit und Charaktereigenschaft hervortritt.

Hat jemand sich an eine bestimmte Handlung gewöhnt, so wird er demnach dazu um ein vielfaches mehr fähig sein als jener, der sie zum ersten Male unternimmt. Das heißt folglich auch, dass er die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens gedanklich ebenfalls in einer viel kürzeren Zeitspanne als richtig bestätigt sieht und daraufhin auch viel schneller seinen Entschluss zum Agieren fasst.

Bei den normalen alltäglichen Tätigkeiten und Handlungen ist die Bestätigung deren Notwendigkeit wie zur festen Formel geworden. Eine Formel von geistigen Vorbereitungsschritten für das darauf folgende Tun. Diese Formel bleibt im Wesen des Menschen weiter bestehen, so dass ein langes einleitendes Abwägen wegfällt. So einfach sind diese gedanklichen Schemen nicht wieder auszulöschen und, wie schon gesagt: Die persönliche Beweisführung für die Erforderlichkeit einer Handlung bildet das Hauptmotiv, welches zur Durchführung dieser -sei es nun negativen oder positiven- Handlung veranlasst.

Aus diesen Gewohnheiten und Eigenschaften, die in der Seele der Menschen festen Fuß gefasst haben, resultieren entsprechende Handlungen und auch entsprechende Eindrücke. Wir nennen sie "Charakterzüge", wie z.B. Freigebigkeit, Mut, Enthaltung vom Verbotenen und andere, auch negative. Diejenigen Angewohnheiten, die mit dem Zweck der Schöpfung und des Lebens übereinstimmen, stellengute Angewohnheiten dar und sind begrüßenswert. Solche aber, die Schöpfung und Lebensziel zuwiderlaufen bleiben hässlich und verdienen es, abgelehnt zu werden. Zu einem "guten Charakter" zählen die erstgenannten Eigenschaften und zu einem "schlechten" die zweiten.

Auswirkung des Charakters auf Wohl und Unwohl des Menschen

Ob der Charakter des Menschen gut ist oder schlecht, das wirkt sich entscheidend auf sein Wohlergehen aus. Unbestreitbar hat er seinen Einfluss auf das private Leben sowie das soziale Dasein, beeinflusst er die diesseitige und auch die dortige Existenz. Es würde den Rahmen einer kurzen Abhandlung wie dieser sprengen, die einzelnen Eigenschaften und ihre Folgeerscheinungen alle zu beschreiben. Aber auch eine längere Abhandlung könnte nur hinlänglich reichen. Wir wollen an dieser Stelle uns daher auf einen gröberen Überblick beschranken und allgemein die Auswirkungen des Charakters auf Freuden und Leiden im irdischen Leben sowie in der Ewigkeit aufzeigen.

Die innere Persönlichkeit eines jeden setzt sich aus seinen in der Seele verankerten Eigenschaften und Angewohnheiten zusammen. Menschenwürdige bzw. - unwürdige Charakterzüge wirken auf unseren geistig - seelischen Zustand und bestimmen ihn ähnlich wie stärkende bzw. schädliche Nahrung die körperliche Gesundheit fördern bzw. beeinträchtigen oder in Gefahr bringen. Aus dieser Perspektive betrachtet, tritt der direkte Zusammenhang zwischen Wohl bzw. Unwohl des Menschen und gutem bzw. schlechtem Charakter deutlich an den Tag.

Wahres "Glücklichsein" und wahres "Elend" hängen somit auch unmittelbar von den guten und schlechten Taten an. Wir hatten in der einleitenden Darlegung folgenden Schluss gezogen: Das Leitmotiv zu willentlich unternommenen Handlungen liegt darin, dass der Handelnde daran glaubt, dass diese Handlung unter den gegebenen Umständen eine Notwendigkeit darstellt und er sie durchführen muss. Ebenso haben wir festgestellt, dass die zuvor stattgefundene urheberische Schlussfolgerung, dass dieses Verhalten ein Erfordernis ist, im Gedankengut des Menschen immer weiter fortbestehen wird, wenn sich eine solche Verhaltensweise zu seiner Angewohnheit entwickelt hat. Demnach bilden gute bzw. schlechte Charakterzüge die Einflussreichsten Faktoren darauf, ob der Mensch gut oder schlecht handelt. Und davon wiederum hängt sein Wohl bzw. sein Unwohl ab.

Wenden wir uns jedoch den Auswirkungen des menschlichen Charakters auf das gesellschaftliche Leben zu. Betrachten wir dazu einmal genau und richtig die Korruption und Verdorbenheiten Inder Gesellschaft, das Blutvergießen und die Zerstörungen und Verwüstungen, die von Menschenhand geschehen: Wir werden sehen, dass die Zerstörungen und Verwüstungen, die von Menschenhand geschehen: Wir werden sehen, dass die Hauptursache für diese totalen Missstände in der Selbstsucht, in der Arroganz, im Stolz und im falschem Ehrgeiz und ähnlichen hässlichen Eigenschaften zu suchen sind. Eigenschaften, die in denen den Wurzeln geschlagen haben, die ein Volk oder Völker anführen. Ihre Charaktermerkmale äußern sich darin, dass sie als Machtinhaber andere Völker auf unrechtmäßige Weise beeinflussen und beherrschen wollen, und nicht nur andere Nationen, sondern auch die eigene in form einer Diktatur unterdrücken und bevormunden.

Auch was sich innerhalb der Regierungsapparate und der verschiedenen staatlichen Einrichtungen an Ungerechtigkeit und Korruption abspielt, ist auf die Verdorbene Moral und den zweifelhaften Charakter der verantwortlichen Kräfte zurückzuführen. Doch auch in der kleineren gesellschaftlichen Einheiten, wie Stadtviertel und Ortschaft oder auch das Umfeld in der Familie: Die Tatsache, dass es hier zu Reibung und Machtstreit kommt, hat ebenfalls ihre Wurzeln darin, dass der einzelne sich nicht um einen besseren Charakter bemüht hat.

Besitzen Mann und Frau, die sich mit dem Ziel "Gemeinsamkeit und Einigkeit" die Hand zur Bildung einer Familie reichen, menschenwürdige Charakterzüge und begrüßenswerte Angewohnheiten, so können sie aus der kleinen Gemeinschaft ein warmes Nest gestalten, in dem Freundlichkeit, Zuneigung, Fröhlichkeil und "Glück" herrschen. Was aber, wenn im Wesen eines jeden von ihnen, hässliche Eigenschaften und Gewohnheiten wie scheußliche Dämonen hocken, die während des gemeinschaftlichen Lebens in vielerlei Gestalt ans Tageslicht treten und unweigerlich die Familie welche doch immer ein Hauch von Wärme und Lebensfreude erfüllen sollte, umwandeln in einen Kriegsschauplatz für negative Strömungen und rebellische tierhafte Triebe? Zu einer Arena, in der Furchterregende wilde Dämonen wie reißende Tiere ihren kämpf austragen. Diese Untiere sind die hässlichen und abstoßenden Eigenschaften im Menschen. Sie haben sich in der Tiefe der Seele und in ihren Winkeln eingenistet und warten nur auf günstige Bedingungen, um hervorzudringen und sich selbst und ihre Macht zu zeigen.

Zudem: Diese gefährlichen Attribute und schlechten Angewohnheiten werden außerdem teilweise, einem Erzichungsmechanismus gehorchend, auf die Kinder übertragen, wodurch auch die darauffolgende Generation durchweg wie sie selbst in Verderbnis und Unglück hineingetrieben wird.

Dies war nur ein kleines Beispiel für die Auswirkungen des Charakters auf die kleinste Einheit im gesellschaftlichen Leben, auf die Familie, Je weiter wir die Grenzen ziehen und je größere gesellschaftliche Räume wir betrachten, desto mehr wachst auch des Aktionsfeld der menschlichen Eigenschaften, von den positiven bis zu den negativen, und auch die wertvollen Wirkungen eins guten Charakters bzw. die Gefahren eines schlechten zeichnen sich deutlicher ab.

Wir sollten zudem noch weiter und darüber hinaus gehen, denn obiges Feld bezieht sich nur auf den begrenzten und vorläufigen Existenzabschnitt der Menschheit, namens "Erdenleben", Es sind jedoch besonders auch die Auswirkungen in der ewigen Existenz zu bedenken.

Das Ewige Leben ist unbegrenzt, das irdische aber begrenzt, und etwas begrenztes lässt sich einerseits nie mit etwas unbegrenztem vergleichen, da der Unterschied zwischen einem begrenzten und einem unbegrenzten Glück unweigerlich auch unbegrenzt sein wird. Ebenso können auch die begrenzten Gefahren und Leiden und nicht begrenzten nur grenzenlos voneinander verschieden sein. Auf der anderen Seite wird uns in dieser Welt möglicherweise gelingen, durch Erziehung und Selbsterziehung einen schlechten Charakter in einen guten umzuwandeln und uns edle Gewohnheiten zuzulegen. Nach der Barriere "Tod" aber ist keine hässliche Eigenschaft mehr zu ändern, und das reißende, um sich wütende Tier, der Dämon im Innern, wird dann auch äußere Form annehmen, wird nicht mehr von der Seite seines Besitzers weichen und ihm ständig Gesellschaft leisten.

Die Bedeutung des Charakters vom islamischen Standpunkt aus

Wer sich auch nur ein wenig in den Versen des Korans und Wörtern der islamischen Großen auskennt, dem ist bekannt, wie sehr diese himmlische Religion Wert auf den Charakter legt. Es lässt sich kaum eine Seile im Koran finden, auf der nicht von seelischen Eigenschaften des Menschen die Rede wäre und nicht auf verschiedene Art zur Läuterung des Charakters und Erarbeitung besserer Angewohnheiten angehalten und diese betont wurden wären.

In einer der Suren (Sure Sams) schwört Gott, dass das Wohl des Menschen, dass das, was er sät und erntet, von einer Reinigung der Seele und Reinigung des Charakters abhängt. Gesetzt den Fall, es gäbe hierzu keine einzige andere Ayeh mehr (Ayeh = kleinster koran abschnitt,), so genügte schon diese sure für sich alleine als Nachweis dafür, welch große Bedeutung der Koran dem Charakter beimisst.

Über einen jeden Charakterzug des Menschen, sein Verhalten als Individuum und als Mitglied der Gesellschaft, bringt der Heilige Koran zahlreiche Verse, Sehr oft wird eine lobenswerte Eigenschaft in Dutzenden von Ayat (Mehrzahl von Ayeh) gepriesen und eine abzulehnende genauso häufig getadelt. Es würde einer langen ausführlichen Beschreibung bedürfen, wollten wir uns im einzelnen damit befassen.

Umfangreihe Schriften bildet auch das, was uns von dem geehrten Propheten und seinen Nachkommen zum Thema "Tugend der Selbsterziehung" und hinsichtlich menschlicher Attribute, die Anerkennung verdienen bzw. zu verurteilen sind, dokumentarisch erhallen blieb. Vom geehrten Propheten (Friede sei mit ihm und seinen Nachkommen) wurde ein Wort überliefen, das, gäbe es sonst alle die anderen Weisheiten zu diesem Thema nicht, vollkommen ausreichen würde,, um die Wichtigkeit des menschlichen Charakters in den heiligen islamischen Lehren und von ihrem Standpunkt aus zu verbildlichen. Da nämlich, wo er spricht:

"Ich bin gesandt worden, um den edlen Charakter des Menschen noch zu vervollständigen."

In einer anderen Überlieferung heißt es von ihm:

"Der Glaube desjenigen ist vollständiger, der einen besseren Charakter aufweist."

Er selbst, der Prophet, verkörpert höchste Vervollkommnung und Vortrefflichkeil, ist tadelloses Beispiel für einen edlen, reinen Charakter und liebenswerten Umgang mit den Mitmenschen.

Gott, der Schöpfer und Erhabene, spricht mit hohen Worten über das Wesen des Propheten. Er lässt ihn wissen:

"Fürwahr, hast einen grüßartigen Charakter!"

An einer anderen Stelle bezeichnet er das Wohlverhalten des Propheten als den Schlüssel zu seinem Erfolg und spricht:

"Wärest du grob und streng gewesen, so waren alle aus deiner Nahe weggestoben."

Auch die Familie des Propheten und seine großen Nachkommen und religiösen Vorbilder - sie waren alle mit den höchsten Attributen eines menschlichen Wesens ausgestattet. In ihrem Verhallen und ihren Taten sowie in dem, was sie sagten, kamen seelisch-geistige Vervollkommnungen sichtbar zum Ausdruck. Ihr Erscheinen unter den Menschen war ein hervorragender Faktor, der eine bessere charakterliche Läuterung und geistig-seelische Erziehung der Menschheit in Bewegung setzte.

Bewertungsgrundlagen für die Qualität des Charakters

Die charakterlichen Eigenschaften gehören zu den seelischen Dingen. Ob sie würdig sind oder nicht, das hängt davon ab, inwieweit sie der endgültigen Vollkommenheit der menschlichen Seele Gerechtwerden bzw. ihr zuwiderlaufen. Mit anderen Worten, jede Angewohnheit, die dem Ideal des wahrhaft vollkommenen Menschen entspricht und ihm auf dem Wege hin zu dem großen End - und Hauptziel weiterverhilft, verdient die Bezeichnung "würdig". Alles, was ihn jedoch davon abhält, diesen menschlichen Bestimmungshaien zu erreichen, wird unwürdig sein.

Als erster Schritt ist daher die letzte und höchste Stufe menschlicher Vervollkommnung klarzustellen, da mit wir den Bewertungsmaßstab zur Unterscheidung der lobenswerten Charaktereigenschaften von den zu tadelnden gewinnen.

Einige haben nur oberflächlich und ohne Weitsicht leider geglaubt, dass die Wahrheit des Menschen sich auf den sichtbaren Körper besehrank und auch die Seele nur eine Eigenschaft und Nebenerscheinung desselbigen darstellt. Sie messen die Qualität menschlicher Attribute lediglich daran, ob sie dem Ideal eines optimalen körperlichen Zustandes und mit den Sinnen zu verspürenden Wohlbefindens einsprechen oder nicht.

Verzicht auf Verbotenes, Schamgefühle, Edelmut, Gerechtigkeitssinn und andere Tugenden stellen für sich alleine keinen selbständigen Wen dar, das bedeutet, sie werden durchweg nur dann begrüßt, wenn sie als Mittel zur Erreichung materieller Vorteile und weltliche Dinge herhallen können. Selbst abstoßende Attribute wie Lüsternheil, Begierlichkeit, Kriecherei, Arroganz, Betrügerei, ja sogar Diskriminierung anderer und ihre Unterdrückung - auch sie gellen an sich noch nicht als hässlich, ausgenommen der Fall, dass die materiellen Ziele und finanziellen Vorteile indirekt oder direkt durch sie in Gefahr geraten würden.

Grundsätzlich schenkt man dem Höchstmaß an seelisch - geistiger Vollkommenheil und menschenwürdigen hohen Gefühlen und geistigen Genüssen, die doch um ein vielfaches stärker und edler als die mit den Sinnen wahrnehmbaren Freuden sind, sehr wenig, wenn nicht überhaupt keine Beachtung: Sie gelten als wertlos.

Unter denen, die diese Anschauung vertreten, sagen wieder eine Reihe: "Was gut und was böse ist, das hangt von der Meinung der Mehrheil ab. Alles, was in einer Gesellschaft von den meisten für gut geheißen wird, gilt in dieser Gesellschaft als gut, auch wenn dasselbe in einer anderen Gesellschaft von der Mehrheil verurteilt und als hässliches Charaktermerkmal betrachtet werden sollte".

Wir haben hier nicht die Absicht, zur oben genannten Meinung den ausführlichen Gegenbeweis zu erbringen. Es würde den Rahmen dieser kurzen Abhandlung sprengen. Zudem haben große Gelehrte in dieser Hinsicht bis ins Detail ihre Ansieht niedergeschrieben und in verschiedenen Werken überzeugende Argumente und handfeste Beweise gegen diese Anschauung aufgeführt. Wir beschränken uns hier nur darauf klarzustellen, was der Islam als Bewertungsmaßstab für das Prädikat "schlecht" bzw. "gut" betrachtet.

Er sieht in der menschlichen Existenz ein viel größeres und edleres Dasein als das so rasch dahinziehende und begrenzte Leben auf der Erdkugel.

Der Islam betrachtet das weltliche Leben als eine Strecke, die der Mensch zurücklegt, und je mehr er von dieser Strecke hinter sich gebracht hat, umso mehr nähert er sich dem ewigen Ziel.

Im Islam steht die Welt um uns herum zu dem ewigen Dasein in einem Verhältnis wie die Sphäre, die das ungeborene Kind im Mutterleib erfahrt, zu der Welt, in die es später hineingeboren wird, sieht. Ja, im Vergleich zu letzterem Verhältnis ist das hiesige Dasein noch viel beengender und niedriger als die Existenz des Ungeborenen in der Gebärmutter, wenn es neben dem ewigen zu Stehen kommt.

Der Seele des Menschen wird durch Islam der Rang einer sehr hohen und edlen Erscheinung zugeordnet. Einer Daseinserscheinung, die eine außergewöhnliche und hervorragende Entwicklung verdient. Wohingegen sich der Körper auf eine lediglich organische Existenz beschränkt. Dies darf jedoch nicht zu dem Fehlschluss führen, dass der Islam körperliche Vollkommenheilen und überhaupt körperliche Dinge ohne jede Funktion weiß, wie manche, die eine Übertreibung begehen und den Körper als etwas vollkommen überflüssiges, wenn nicht sogar als einen Störfaktor und ein Hindernis für die Entwicklung der Seele betrachten.

Dem System der Schöpfung wurde eine vollständige Ordnung verliehen, die die bestmöglichste aller Ordnungen darstellt. Warum sollte sie es auch nicht sein, wo doch ihr ordnender Urheber absolut weise ist. Es wird in diesem Falle undenkbar sein, dass diese Ordnung etwas für die Existenz einer Erscheinung vorsieht, das diese Existenz an ihrer Fortentwicklung hindert. Daher stellt der Körper des Menschen einen Teil seiner Wahrheit dar und dient als Mittel zur Entwicklung seiner Seele hin zu der höheren Well. Wenn wir dem Körper gerecht werden, wenn wir ihm weder mit Unter - noch mit Übertreibung begegnen, so wird er nicht nur kein Hemmschuh auf dem Wege der Vervollkommnung des Menschen sein, sondern ihm - im Gegenteil - auf diesem Wege hilfreich zur Seite stehen.

Trotz alledem darf nicht erwartet werden, dass Islam der leiblichen Hülle die gleiche Bedeutung wie der Seele zuordnet, dass er körperlichen Dingen für sich alleine einen selbständigen Wert beimisst, so wie er es für die Erscheinungen des menschlichen Geistes und seiner inneren Vervollkommnung tut. Dies wäre ein deutliches Unrecht gegenüber den geistig - seelischen Werten.

Die Stellung, die der Islam dem Körper einräumt, nämlich die eines organischen Wertes, beruht auf der Regel "Existenzgebung, weil Erfordernis in der Existenzordnung vorhanden". Anders formuliert: Da der Körper in Wahrheil nur ein Werkzeug der Seele ist, gebührt ihm auch nur die organische Wertstellung.

Jenes Ideal der Vollkommenheit, das der Islam für den Menschen vorsieht, ist jedoch unabhängig. Die islamischen Bestimmungen und Gebote werden diesem Idealbild gemäß aufgestellt und letzteres gilt als Maßstab, wenn das Gute im menschlichen Charakter vom Schlechten getrennt werden soll. Diese Vollkommenheit wird immer Glück und Wohl im ewigen Leben zur Folge haben. Sie ist aber auch noch in sich abgestuft. Der niedrigste Rang der Vervollkommnung wird gleichbedeutend sein mit einem Wohlleben, angefüllt von Genüssen, die unsere Sinne erfassen. Die höchste Stufe jedoch spiegelt sich in der Erreichung vollständiger Erkenntnis und Erlangung des dem Schöpfer am nächsten gelegenen Ranges.

In Wahrheil lad der Islam zu dieser letzten allerhöchsten Vollkommenheit ein: den höchsten Grad an Erkenntnis und den höchsten Grad einer Annäherung zu Gott. Alle Seelen weisen aber nicht die Starke und Größe auf, weltliche und jenseitige leibliche Genüsse sämtlich Beiseitezulassen und nur noch die Nahe Gottes, des Erhabenen, zu wollen und zu sagen:

"Ich wende mein Gesicht dem zu, der Himmel und Erde geschaffen hin. Ich tue dies mit Festigkeit und standhaft und bin kein Götzendiener!"

Oder zu denken; "Gott! Ich bete Dich nicht aus Angst vor der Verdammnis an oder aus Verlangen nach dem Paradies, sondern ich bete Dich an und diene Dir, weil Du es verdienst!"

Da eben nicht jede Seele diesen höchsten Grad erreicht, hat Islam in seiner Vervollkommnungslehre verschiedene Rangstufen vorgesehen. Jeder kann, seiner Fähigkeit gemäß, eine dieser Stufen erreichen. Kann bis dahin, wo es sein Einsätzvermögen erlaubt, sieh Vorwärtsentwickeln.

Fassen wir nun zusammen; Der Maßstab zur Erkennung der Qualität einer Charaktereigenschaft, d.h. zur Erkennung, üb sie gut oder schlecht ist, liegt in ihrer Auswirkung auf das ewige Dasein. Es gilt zu sehen, ob diese Eigenschaft zur dortigen Glückseligkeil hinführt oder nicht.

Wie geht der Islam bei der Läuterung des Charakters vor?

Die Wege der charakterlichen Läuterung in diesem Dasein überschreiten nicht den Rahmen der folgenden drei Methoden:

Erste Methode

Das Wunschdenken der Menschen auf eine Reihe materiellen Wert und auf Prestigegewinn auszurichten und sie so zur Durchführung guter Handlungen und zum Verzicht auf hässliches Tun zu veranlassen, so dass mit und mit die edlen Eigenschaften verbreitet und die schlechten aus der Gesellschaft verbannt werden. Es wird zum Beispiel gesagt: Besitzt ein Mensch Eigenschaften wie Liebe zu Mitmensch und Vaterland, Tapferkeit und Großmut, so wird ihm schon im Leben allgemein Respekt und Sympathie entgegengebracht, und nach dem Tode werden die anderen sich im Guten an ihn erinnern.

Diese erste Therapie zur Veredlung des Charakters weist jedoch Unzulänglichkeilen auf. Die wichtigsten von ihnen sind:

a) Die Ziele, die bei dieser moralischen Erziehung angestrebt werden, bestehen meist aus rein gedanklichen Vorstellungen und drehen sich um einen Gewinn an Prestige. Sie führen nicht dazu, dass der Mensch eine wahre Vervollkommnung erzielt. Der, dessen Namen nach seinem Dahinscheiden in Ehre gehalten wird, dem wird nicht die geringste Freude an dieser Tatsache zuteil. Woher wird er darüber erfahren, dass man sich unter den Lebenden seiner im Guten erinnert? Und sollte er es auch wissen, wird er sich unbedingt daran erquicken? Wie oft stellen wir nicht fest, dass ein großer Mensch nicht nur nicht über ein Lob erfreut ist, sondern, im Gegenteil, es ihm großes Unbehagen bereitet. Er es abstoßend findet.

b) Obengenannte Methode verhilft zwar zum Teil zur Erlernung guter Eigenschaften, sie stärkt und festigt aber auch negative wie falscher Ehrgeiz, sich hervorzutun und Lobpreis zu ernten. Nicht selten bringen gerade solche Attribute dem Menschen ebensoviel Schaden ein wie die guten Eigenschaften ihm Vorteile bieten. Diese Lernmethode beinhaltet quasi, dass der Mensch durch Aneignung neuer Fehler andere negative Eigenschaften ablegt bzw. höhere Eigenschaften erwirbt.

c) Auch wenn wir als gegeben annehmen, dass der, der sich für Mitmenschen und Nation aufopfernd einsetzt, nach dem Tode weitergeehrt wird, so würde sich dieses Phänomen nur auf die jetzige Daseinswelt beschränken. Wie wir aber schon erwähnten, kann dieser enge Lebensraum keinem Vergleich mit einer Existenz in der Ewigkeit standstalten. Weder von der Fülle der guten Gaben und Freuden her gesehen noch hinsichtlich Vollkommenheit und Ansehen. Und auch nicht in Bezug auf Fortdauer und zeitlichen Bestand. Es leuchtet, wie gesagt, ein, dass das Begrenzte gar nicht dem Unbegrenzten gegenübergestellt und an ihm gemessen werden kann.

Zweite Methode

Sie besteht darin, dass die inneren Vollkommenheiten dargestellt, die geistigen und seelischen Freuden hervorgehoben sowie die Rangstufen des Paradieses geschildert werden. An die frohe Botschaft von den herrlichen ewigen Gaben wird erinnert und an die Bedrohung durch die unvorstellbaren Leiden in der Verdammnis: die schwere göttliche Vergeltung. Dies alles dient zur Anregung des Menschen, sich hohe Tugenden anzueignen und vom schlechten zu lösen.

Die Schwachpunkte der ersten Therapie entfallen in dieser zweiten und alle von Gott Herhabgesandten Schriften (wie Thora und Evangelium) gingen von ihr aus. So finden wir auch im Heiligen Koran im Inhalt vieler Verse eine Übereinstimmung mit diesem Erziehungs- und Lehrstil. Ebenso wie in den meisten von Ethik und Moral handelnden Überlieferungen des geehrten Propheten und seiner reinen Familie.

Dritte Methode

Die dritte Methode basiert auf dem Gedanken, dass alle Tugenden auf einen einzigen Überzeugungsmoment beruhen, nämlich die Überzeugung von der Einzigkeit Gottes und alle damit verbundenen Konsequenzen. Durch Stärkung und Vervollständigung dieser Gewissheit erfahren auch alle Eigenschaften, die diesem Grundprinzip entspringen eine Intensivierung und festigen sich. Andererseits rühren die Hässlichen Eigenschaften von da her, dass der Mensch etwas anderes als den Einzigen Gott verehrt. Durchtrennen wir die Wurzeln einer solchen Götzenanbetung, so entziehen wir auch allen Hässlichkeiten und Verderbtheiten den Nährboden.

Die Überzeugung von der Alleinigkeit Gottes weist ebenso in sich Stufen auf wie der Irrglaube an falsche Gottbilder und Götzen. Die Phase, in der der Gläubige bzw. der Ungläubige sich jeweils befindet, wird Bestand und Verwurzelung der Charaktereigenschaften beeinflussen, sie stärker oder schwächer werden lassen.

Ein Entwicklungsabschnitt im Towhid - Verständnis (Towhid = Glaube an den Alleinigen Gott) liegt da, wo der Mensch weiß: Alles hat seinen Ursprung in Gott. Derjenige, in dem diese Erkenntnis festen Fuß gefasst hat, in dem nagt nicht mehr der Neid um Wohlstand, Ansehen und Größe anderer. Ihm steht jener gegenüber, der nicht zu diesem Wissen gelangte und, anstatt dass er Gott als den einzigen und weisen Geber von Dingen wie Wohl und Ansehen betrachtet, nach anderen Ursachen Ausschau hält und diesen Ursachen einen von Gott unabhängigen Einfluss beimisst, was nichts anderes bedeutet, als dass er Ihm andere Götter beigesellt. Die Eifersucht auf Hab und Gut und Wohlbefinden anderer wird ihn quälen und manchmal so weil treiben, seine Mitmenschen zu belästigen und zu schädigen, es sei denn er trennt sich von dieser hässlichen Eigenschaft auf einem anderen Wege als durch die Einsicht in Gottes Alleinmacht.

Auf einer höheren Stufe als die zuvor genannte der Towhid - Erkenntnis bewegt sich der Rechtgläubige, wenn er in allem Existierendem das Eigentum Gottes sieht und nichts und niemanden sonst als selbständigen Eigentümer betrachtet, sondern nur Ihn, den Alles erschaffenden. Alles Schöne und Gute auf Erden und auch die, die dieses Schöne und Gute in Händen hallen: Sie alle sind aus der Sicht eines solchen Menschen Gott untenan, sind nichts anderes als Ihm unterstelltes Geschöpfes.

In einer solchen Denkweise bleibt für Eifersucht und Habgier und ähnliche Hässlichkeiten kein Raum mehr. Ein Mensch, der sich der Alteinmacht seines Erschaffers bewusst und gewiss wurde, setzt nur auf Gott Hoffnung und fürchtet sich auch vor niemand anderem als vor Ihm. Er wird weder auf etwas versessen sein und nach einer Sache gieren, noch wird er sich feige verhalten oder mit ähnlichen Schwächen abplagen müssen. Dazu kommt seine innere Zuversicht nur auf Gott und sein Wunschdenken, dass sich ebenfalls ausschließlich auf dem Wege Gottes, zu Gott, bewegt. Einen solchen Menschen werden deshalb auch nur noch hohe Eigenschaften schmücken und auszeichnen.

Jedoch: Die Towhid - Gewissheil kann eine noch exzellentere Form annehmen, eine noch vollständigere und genauere. Hier bleibt nicht mehr die geringste Spur von charakterlicher Verderbnis bestehen, und dies ist es, was wir zum ersten Male auf diese Weise im Islam antreffen:

Der Mensch weiß Gott als die einzige unabhängige Existenz. Sein Sein ist unbegrenzt. Ist ewig. Er umfasst die Gesamtheit aller Wellen, aller Dinge, aller Ursachen, aller Situationen des Existierenden und die Richtungen, in die es sich fortbewegt. Und auch nicht das winzigste Teilchen unter den unzählbaren Teilchen der Welt besteht, ohne von Seinem Heiligen Wesen, von innen und außen her, erfasst zu werden. Alles Sein wird nur auf Seinem Sein beruhen und mit ihm in Verbindung stehen.

Diese Stufe des Towhidverständnisses, des Glaubens an den Einen und Alleinigen Gott, geht nicht unbeachtlich über die Erkenntnisse des menschlichen Verstandes in vorislamischer Zeit hinaus. Es veredelt auch jenes, was in den vorangegangenen von Gott gesandten Schriften stand. Gibt dem Towhid - Glauben, zu dem die Propheten vor Prophet Mohammad (Friede sei mit allen ihnen) einluden, eine höhere Form. Eine noch feinere, edlere, wertvollere.

Diesem Thema tiefer nachzugehen würde hier zu speziell werden und über das Niveau des Buches hinausgehen. Wir begnügen uns daher mit diesen wenigen Ausführungen und bitten den Einzigen Gült, er möge uns mit der Erkenntnis und Verwirklichung dieser höchsten Stufe des Ein - Gott - Glaubens segnen.

Abschließend sei nur noch gesagt: Der Drittgenannte Weg zur Läuterung des Charakters ist zwar höher und wertvoller als alle anderen Wege, da er aber nicht mehr dem Durchschnittsniveau menschlicher Erkenntnisse entspricht, hat Islam auch die vorangegangene zweite Methode ins Auge gefasst und wendet auch sie an. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass die Mehrheit der Gesellschaft normalerweise, wenn ihnen etwas versprochen oder sie vor etwas gewarnt werden, die göttliche Lehre eher akzeptieren, als wenn sie auf sehr hoher Erkenntnis basiert.

Worte der Großen des Islam zu Fragen der Erziehung, Ethik und Moral

"Was die, dir mir folgen am meisten ins Paradies einkehren lässt, sind Gottesfurcht, Freundlichkeit und Anstand"

Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm und seiner Familie)

"Wer eine höhere Vernunft und einen vollkommeneren Geist besitzt, der ist freundlicher und besser als die anderen"

Imam Sadeq (gegrüßt sei er)

"Ihr möchtet, dass Euch Eure Kinder in Bezug auf Liebe und Güte gerecht behandeln, so behandelt auch Ihr sie gerecht!"

Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm und seiner Familie)

"Das härteste Herz ist das Herz des Rachsüchtigen. Seine Seele leidet ständig unter Folter und Peinigung."

Imam Ali (gegrüßt sei er)

Weitere Worte des Propheten "Gott sind jene am liebsten, die am meisten ihren Mitmenschen nützen."

"Am Tag der Auferstehung nimmt derjenige bei Gott den höchsten Rang ein, der sich mehr als alle anderen für das Wohl der Menschen und Gläubigen eingesetzt hat."

"Immer wenn zwei Menschen zusammensitzen, ist der bei Gott angesehener, der sich freundlicher und umgänglicher verhält. Und auch sein Lohn bei Gott ist höher."

(aus dem Buche Wafi)

Weitere Worte von Amir - AI - Mumeinin Ali (gegrüßt sei er)

"Solange Eure Zungen frei, Eure Glieder heil. Eure Körperteile geschmeidig und bereit und der Raum zum Handeln offen steht, setzt Euch beherzt ein, begeht gute Taten, bis da, wo noch die Möglichkeit besieht. Bevor Euer Lebensbuch geschlossen wird und die Gelegenheit (zum guten Handeln) wie flüchtige Wolken aus dem Blickfeld forteilen."

Der Prophet des Islam (Friede sei mit ihm und seiner Familie) hat immer gesagt: "Niemals wird sich ein Volk dem Wohl und Glück gegenübersehen, wenn es sich nicht das Recht der Schwachen ernsthaft und entschlossen bei den Starken holt."

"Nahg - ul - Balageh"

"Wer, um den Leuten zu gefallen, Gott erzürnt (und Recht und Gerechtigkeit missachtet), mit dem wird weder Gült zufrieden sein noch Gottes Volk."

Derjenige aber, der um Gottes Wohlgefallen willen auf die Zustimmung anderer verzichtet (der gerecht und redlich verfahrt, ohne es diesem und jenem recht zu machten), der wird sowohl Gott als auch Gottes Volk zufrieden gestellt haben.

 


 

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